Leitartikel

Warum Deutschland so viel exportiert

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Das gibt wieder Ärger: Nach der jetzt veröffentlichten Zwischenbilanz steuert unser Land 2013 auf einen neuen RekordÜberschuss im Außenhandel zu. Im ersten Halbjahr haben wir für 98 Milliarden Euro mehr Waren ins Ausland geliefert als von dort bezogen, ein Plus von 5 Prozent. Gut für den einzelnen Exporteur. Aber politisch heikel.

Denn im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise wird Deutschland genau das vorgehalten. „Euer Überschuss ist unser Defizit“, lautet zugespitzt die Anklage mancher ausländischer Politiker. In dieser verqueren Logik hat die EU mittlerweile sogar (bislang unverbindliche) Limits für nationale Überschüsse proklamiert. Wir sollen zurückstecken.

Als wäre Europa nicht längst ein einheitlicher Binnenmarkt im globalen Wettbewerb der Wirtschaftsräume. Als käme der Kontinent voran, wenn sich das stärkste Land mutwillig schwächt. Und als wäre unser Überschuss Ausdruck einer fiesen Planwirtschaft, beschlossen in geheimer Nachtsitzung im Bundeskanzleramt.

Der wahre Grund für den deutschen Exportboom ist der rasante Aufbau der Industrie in China und anderen Schwellenländern. Seit einem Jahrzehnt steigt der globale Bedarf an Investitionsgütern steil an – und mit ihm die Nachfrage beim klassischen Investitionsgüter-Produzenten Deutschland. Die vielen hochspezialisierten Anlagenbauer, die nur bei Produktion für den Weltmarkt auf einigermaßen rentable Stückzahlen kommen, sind eben eine Zeit lang stärker gefragt.

Das ist so, als würde die Welt vorübergehend doppelt so viel Erdöl brauchen. Oder doppelt so viel Skiurlaub machen. Das würde den Saudis oder den Schweizern gewiss keiner zum Vorwurf machen.


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