Konjunktur

Warum Chinas Wirtschaftswachstum in jüngster Zeit abflacht

Mega-Boomtown Schanghai: Das Reich der Mitte wird ein normaler Industriestaat. Foto: Roth

Köln. Die Wachstumslokomotive der Welt verliert an Tempo: Mehr als ein Jahrzehnt lang legte Chinas Wirtschaft rasant zu, zum Teil mit zweistelligen Raten. Doch jetzt schwächelt der Boom. 7,7 Prozent Plus gab es in den letzten zwölf Monaten, 2014 dürfte der Zuwachs noch etwas niedriger ausfallen.

Der Drache wird langsamer. Bremst das die Weltwirtschaft? „Keine Bange, das wird sich nicht negativ auf die Konjunktur auswirken“, sagt Professor Horst Löchel von der Privat-Uni Frankfurt School of Finance & Management. „Zumal die USA dieses Jahr um 3 Prozent zulegen und so der Weltwirtschaft Schub geben dürften.“

China-Kenner Professor Markus Taube von der Uni Duisburg-Essen ergänzt: „Da platzt keine Blase. Es zeigt sich die Neuorientierung der Wirtschaft.“ Bisher wuchs China durch große Investitio­nen zum Beispiel in Stahl-, Alu- und Zementwerke sowie durch Billigproduktion für den Export.

Auto-Absatz legte um 23 Prozent zu

Dieses Modell bringt zwar immer noch Wachstumsraten, von denen man hierzulande nur träumen kann. Aber trotzdem funktioniere es eigentlich nicht mehr so recht, sagt Experte Taube. Und nennt Indizien: „Es gibt Überkapazitäten. Der Export stagniert. Und die Arbeitskräfte in den auf Billigproduktion ausgerichteten Industrien werden teurer.“

Deshalb hält das Regime in Peking mit einer neuen Strategie dagegen: Er will aus der verlängerten Werkbank des Westens einen modernen Industriestaat machen. Auch wenn der Umbau das Wachstum zeitweilig bremst.

Die kommunistische Partei setzt verstärkt auf private Firmen. Preise sollen sich frei am Markt bilden, mittelständische Banken sollen die Wirtschaft ankurbeln. Und die Löhne dürfen weiter steigen – schließlich spielt die Binnennachfrage in Chinas künftigem Wachstumsmodell eine größere Rolle. „Schon heute“, so Taube, „gibt es steigende Kaufkraft und ausgeprägten Konsumwillen in China.“

Der Auto-Absatz legte letztes Jahr um 23 Prozent auf 16 Millionen Stück zu. Das bescherte Audi, BMW & Co. gute Geschäfte. Auch deutsche Maschinenbauer, sagt Taube, werden „mittelfristig enorm profitieren“.


Die zehn größten Städte Chinas in unserer Fotostrecke:

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang