Das Ende der Knappheit

Warum China die Exportgrenzen für Seltene Erden jetzt aufhebt

Berlin. Ob Smartphones, Akkus, Elektromotoren oder Windturbinen: Ohne Seltene Erden lassen sich Hightech-Produkte nicht herstellen. Entsprechend teuer kamen die Spezialmetalle die Industrie jahrelang zu stehen. Und das Angebot, vom Weltmarkt-Monopolisten China gesteuert, war knapp. Doch plötzlich fallen die Preise. Und die Chinesen heben die Handelsschranken auf.

Zu diesem Schritt hat sich die Volksrepublik nicht aus neuer Liebe zum freien Handel entschlossen. Sie beugte sich vielmehr einem Urteil der Welthandelsorganisation WTO. Dort hatten die USA, Europa und Japan nach einem jahrelangen Rechtsstreit den Sieg davongetragen. Zur Einsicht mag Peking auch bewogen haben, dass die bisherige Exportquote von 31.000 Tonnen im Jahr nur noch zu zwei Dritteln ausgeschöpft wurde.

Grund für die magere Bilanz: Die Industrie hatte, nach Preisanstiegen um durchschnittlich 1.000 Prozent von 2009 bis 2011, Alternativen und Einsparmöglichkeiten gesucht. „Diese Aufgabe haben die Unternehmen ganz vorne auf die Tagesordnung gesetzt“, sagt Peter Buchholz, der Chef der Deutschen Rohstoffagentur in Berlin. „Mit erheblichen finanziellen Mitteln erforschen Firmen nun Wege zu Reduktion, Ersatz und Recycling der Materialien.“

So haben die Hersteller leistungsstarke Magneten für Autos und Elektromotoren entwickelt, die mit weniger oder ganz ohne Dysprosium auskommen. Schließlich war der Preis zwischenzeitlich auf 3.000 Dollar je Kilo hochgeschossen. Bei solchen Kosten rechnet sich die Arbeit der Forscher.

Eine neue Offshore-Windanlage von Siemens benötigt nur noch 1 Prozent des Luxusmetalls in ihren Magneten. Schon 2017 will der Konzern ganz ohne das Spezialmetall auskommen.

Und beim Autozulieferer Brose werden „Lenkungsmotoren heute ohne Dysprosium in Serie produziert“, berichtet Sunny Zhang, Experte für Magnetmaterialien bei dem Coburger Unternehmen. Glashersteller konnten die Seltenen Erden in Poliermitteln für hochwertige Gläser, etwa von Kameras, um zwei Drittel reduzieren.

Auch weil in deutschen Privathaushalten LEDs die Energiesparlampen verdrängen, ist die Nachfrage nach Seltenen Erden eingebrochen. Die neue Technik benötigt für die gleiche Lichtleistung nur noch 5 Prozent der ursprünglichen Menge.

All das verringerte den Bedarf an den Spezialmetallen – und drückte die Preise. Diese Entwicklung aber ist nicht von Dauer, erwartet Rohstoff-Experte Buchholz: „China wird den Markt auch nach Aufheben der Exportquote kontrollieren. Die Preis- und Lieferrisiken bleiben weiterhin hoch.“ Schließlich stellt das Land über 90 Prozent der globalen Förderung von 90.500 Tonnen im Jahr.

Forschung wird sich für die Unternehmen also weiterhin lohnen.


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