Schwellenland in Kauflaune

Warum Brasilien für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger wird


Berlin. Samba, Karneval und Fußballgenie – das verbinden Deutsche mit Brasilien. Nicht aber Wirtschaftskraft. Dabei „hat das Land im letzten Jahrzehnt eine gewaltige Erfolgsstory hingelegt“, berichtet Ilja Nothnagel, Außenwirtschaftsexperte beim Wirtschaftsverband DIHK in Berlin. „Brasilien hat seine Wirtschaftsleistung mehr als vervierfacht und steht nun weltweit auf Platz sieben.“ Auch deshalb wirbt Deutschland seit kurzem am Zuckerhut mit einer Riesen-Kampagne um mehr Zusammenarbeit.

In einem Jahr, ab 12. Juni 2014, wollen die Brasilianer mit der Fußball-WM aller Welt zeigen, was sie erreicht haben. Ihr Pro-Kopf-Einkommen erreicht inzwischen ein Viertel des deutschen. Damit liegen sie deutlich vor den meisten anderen großen Schwellenländern. „40 Millionen Brasilianer stiegen in den vergangenen zehn Jahren in die Mittelschicht auf“, sagt Rafael Haddad, der als Geschäftsführer des „Brazil Board“ Türen für deutsche Firmen öffnen hilft. Zur Mittelschicht zählt Haddad etwa die Hälfte der 200 Millionen Einwohner. Sie hat Geld für Computer, Smartphones, Möbel – und jährlich 3,4 Millionen neue Autos. Zwar gab es 2012 mit 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum eine Delle. Doch für 2017 rechnen die Autohersteller schon mit einem Absatz von 5,8 Millionen Neuwagen.

Deutsche Hersteller und Zulieferer mischen kräftig mit. VW baute 2012 in vier brasilianischen Fabriken 850.000 Autos, ist hinter Fiat die Nummer zwei im Land – und will bis 2016 über 3 Milliarden Euro investieren. BMW will für 200 Millionen Euro ein Werk für jährlich 30.000 Wagen hochziehen. Und der Reifen-Hersteller Conti will seine Produktion in Brasilien auf neun Millionen Stück im Jahr verdoppeln.

Seit 2010 zählte die Deutsch-Brasilianische Handelskammer 200 Neuinvestitionen von Firmen aus der Bundesrepublik. São Paulo ist „einer der größten deutschen Industriestandorte im Ausland“, sagt Nothnagel. Die Einfuhr von Produkten „made in Germany“ nach Brasilien hat sich in acht Jahren auf 11 Milliarden Euro verdreifacht.

Für neuen Schub sorgt jetzt ein milliardenschweres Infrastrukturprogramm. So liefert Siemens U-Bahn-Technik und das Unternehmen Herrenknecht aus Schwanau (Baden-Württemberg) Tunnelbohrmaschinen. Zudem will die Regierung 25.000 Brasilianer zum Lernen ins Ausland schicken, viele in deutsche Firmen.

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