Leitartikel

Wann Wettbewerb nützt – und wann er schadet

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Wenn sich mehrere Anbieter Konkurrenz machen, ist das gut für die Verbraucher. Bahnfahrer werden das im „ICx“ erleben, dem Fernzug der Zukunft, dessen erstes Probeexemplar bald fertig ist. Sieben Hersteller interessierten sich 2009 für diesen größten Auftrag in der Geschichte des deutschen Schienenverkehrs; so ein Wettstreit begünstigt Innovation und Kostenbewusstsein. Zurzeit freilich haben die Bahn – und ihre Kunden – mit Anbieter-Konkurrenz ganz anderer Art zu tun: mit den um die Wette streikbereiten Gewerkschaften GDL und EVG.

Und die Frage klingt erst mal legitim: Warum sollte nicht auch für das Produkt „Tarifvertrag“, das die Höhe und die Struktur der Entlohnung im Bahnbetrieb regelt, das Gleiche gelten wie beim Produkt „Fernzug“? Vielleicht kommt auch hier durch Konkurrenz was Besseres raus. Dass sich die Deutsche Bahn beklagt, muss nichts heißen – es käme ja auch der einzelne Züge-Hersteller in einer Welt ohne Wettbewerb einfacher klar.

Doch der Vergleich hinkt, gegen so eine Denke gibt es drei starke Argumente. Erstens: Hier geht es nicht um einen Wettbewerb der Leistungen, sondern der teuren Forderungen – und das ist nicht gut, sondern schlecht für Verbraucher. Zweitens: Tarifverträge sind kein normales Produkt, sondern Instrumente der Wettbewerbsbeschränkung – damit in der Sozialen Marktwirtschaft nicht jeder Betrieb und jeder Beschäftigte immerzu übers Geld reden muss. Drittens: Die permanenten Bahn-Streiks nerven kolossal. Sie machen aus einem Kernstück unserer Verkehrsinfrastruktur eine Lachnummer.

Wo so ein „Wettbewerb“ die Wirtschaft lahmlegt, statt sie zu beflügeln, muss die Politik die Spielregeln ändern.


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