Wenn Junior was lernt, fließt noch lange Staatsknete

Wann Eltern für erwachsenen Nachwuchs noch Kindergeld bekommen

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Nürnberg. Kindergeld für volljährige Kinder – da sind die Regeln inzwischen einfacher als früher: Was Junior verdient, spielt keine Rolle mehr. Andere Punkte bleiben knifflig. AKTIV erklärt, was Eltern heutzutage wissen müssen, damit sie kein Geld verschenken.

Erster zentraler Punkt: Der Nachwuchs muss was lernen. „Befindet sich das Kind nach seinem 18. Geburtstag in einer Ausbildung, besteht Anspruch auf Kindergeld“, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. Normalerweise wird aber nur bis längstens zum 25. Geburtstag gezahlt.

Als Ausbildung gilt der Besuch einer allgemeinbildenden Schule sowie alles, was zu einem bestimmten Berufsziel führt: Lehre, Besuch einer berufsbildenden Schule, Studium. Bei Sprachkursen im Ausland oder zum Beispiel auch bei Trainees kommt es auf den Einzelfall an: „Steht der Ausbildungscharakter im Vordergrund, kann Kindergeld gezahlt werden“, so Ebsen.

Zweiter zentraler Punkt: Wenn Junior einen Berufsabschluss geschafft hat, ändern sich die Regeln. „Bei Zweitausbildungen wird nur weiter Kindergeld gezahlt, wenn das Kind nebenher nicht mehr als 20 Wochenstunden erwerbstätig ist“, erklärt der Experte.

Die Zeitbeschränkung gilt aber natürlich nicht, wenn diese Arbeitszeit Teil der Ausbildung ist (beispielsweise bei einem Volontariat). Zudem geht es um einen Durchschnittswert fürs ganze Jahr: Maximal zwei Monate lang sind auch mehr als 20 Wochenstunden Arbeit erlaubt, wenn das in den anderen Monaten ausgeglichen wird. Genau rechnen muss also unter anderem, wer nach dem Bachelor-Abschluss ein Masterstudium beginnt, aber während der Semesterferien weiterhin jobben möchte.

Beim sogenannten dualen Studium wird jeweils im Einzelfall von der örtlichen Familienkasse geprüft, was Sache ist. Denn das integrierte Studium gehört nur dann zur Erstausbildung, wenn es in „engem sachlichen Zusammenhang“ zur – meistens zuerst beendeten – Lehre im Betrieb steht.

Unproblematisch ist es, die Berufswahl zu korrigieren. „Solange noch keine Ausbildung abgeschlossen wurde, wird unabhängig von der Erwerbstätigkeit weiter Kindergeld gezahlt“, erklärt Ebsen. Etwa, wenn das Kind ein Studium abbricht, um eine Lehre zu beginnen.

Macht Junior ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr, fließt Kindergeld. Ebenso in Leerlaufphasen wie zum Beispiel nach dem Schulabschluss – aber höchstens vier Monate lang.

Ist der Nachwuchs allerdings arbeitslos und bemüht sich dennoch nicht nachweislich um eine Ausbildung, ist früher Schluss: Dann gibt’s Kindergeld nur bis zum 21. Geburtstag.

Wenn Kinder Kinder kriegen

Das Kindergeld wird auch weiter gezahlt, wenn das Kind während der Ausbildung erkrankt oder selbst Nachwuchs erwartet. Setzen junge Eltern nach dem Ablauf der gesetzlichen Mutterschutzfristen ihre Ausbildung fort, zahlt der Staat sowohl für die frisch gebackenen Eltern als auch für das Neugeborene Kindergeld. Gehen die beiden dagegen in Elternzeit, wird für sie selbst kein Kindergeld mehr überwiesen, für das Neugeborene aber natürlich schon.

Besser nicht heiraten?

Bleibt das Paar trotz Nachwuchs unverheiratet, zahlt der Staat weiter Kindergeld für die jungen Eltern. Wenn die beiden dagegen heiraten, gibt es grundsätzlich kein Kindergeld mehr, weil dann die Ehepartner wechselseitig unterhaltspflichtig sind. Aber: Hat der Ehepartner kein ausreichendes Einkommen, werden die eigenen Eltern wieder unterhaltspflichtig und damit gibt es auch wieder Kindergeld.

Tipp: Wohnen junge Eltern noch im Haushalt der frischgebackenen Großeltern, können sie ihren Kindergeldanspruch für das Neugeborene an die Großeltern übertragen. Das lohnt sich, wenn die jungen Eltern noch Geschwister haben, für die ebenfalls Kindergeld gezahlt wird. Durch die Übertragung zählt das Neugeborene nämlich als zusätzliches Kind der Großeltern und das erhöht insgesamt das Kindergeld: Derzeit gibt es 184 Euro für die ersten beiden Kinder, 190 Euro für das dritte und 215 Euro für alle weiteren Kinder. Hat eine kindergeldberechtigte junge Mutter beispielsweise noch zwei ebenfalls kindergeldberechtigte Geschwister, zählt das Neugeborene dann als viertes Kind und es gibt deshalb 215 Euro statt 184 Euro.

Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Kindergeld ist die zuständige Familienkasse. Mehr Auskunfte gibt es unter der folgenden Gratis-Hotline der Familienkasse: Tel: 0800 - 455 55 30.

Weitere Infos und hilfreiche Broschüren im Internet unter:
familienkasse.de
bzst.de


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