Zurück in die gesetzliche Kasse

Wann der Wechsel für privat Krankenversicherte möglich ist

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Chefarzt-Behandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus – vielen Versicherten wird im Alter die private Krankenversicherung (PKV) mit ihren Extras zu teuer. Denn während der Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) am Verdienst bemessen wird und mit geringerem Einkommen im Rentenalter sinkt, richtet sich die monatliche Prämie bei den Privaten nach den Krankheitskosten.

Das bedeutet: Je älter und behandlungsbedürftiger ein Versicherter wird, desto teurer der Tarif. Um der drohenden Erhöhung zu entgehen, suchen viele privat Versicherte den Weg zurück ins gesetzliche Kassensystem. AKTIV erklärt, für wen das möglich und wann ein Wechsel ausgeschlossen ist.

Das Einkommen muss sinken

„Versicherungspflicht“ ist das Zauberwort, wenn privat versicherte Angestellte wieder in die GKV wollen. Sie tritt dann ein, wenn das jährliche Bruttogehalt eines zuvor privat Versicherten für mindestens zwölf Monate unter die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze fällt. Dieser Betrag zieht die Grenze zwischen privater und gesetzlicher Versicherung. Er wird jedes Jahr angepasst.

Nur wer mehr verdient, darf sich privat versichern. Für 2013 legte der Gesetzgeber die Grenze bei 52.200 Euro fest, Zuschläge wie Weihnachts- und Urlaubsgeld mitgerechnet. Ausnahme: Für Versicherte, die bereits vor 2002 in die PKV wechselten, gilt ein niedrigeres Jahresbrutto von 45.900 Euro.

Arbeitslose werden automatisch gesetzlich versichert

Auf einmal weniger verdienen – das trifft zum Beispiel zu, wenn ein Angestellter freiwillig seine Stundenzahl reduziert. Oder wenn er auf einen Teil des Gehalts verzichtet, weil er etwa für ein Sabbatjahr spart. Oder wenn man –weniger erstrebenswert – eine Stelle mit geringerem Gehalt annimmt oder gar seinen Job verliert. Wer Arbeitslosengeld bezieht, wird automatisch in der GKV versichert.

Der Verdienst fällt meist auch unter die Entgeltgrenze, wenn man nach der Elternzeit von einem Vollzeitjob auf Teilzeit umstellt. Doch Vorsicht: Die Elternzeit ändert nicht automatisch die Versicherungspflicht. Väter und Mütter, die vorher privat versichert waren, müssen dies auch während der Monate mit dem Kind zu Hause bleiben – und für den Nachwuchs jeweils einen eigenen Vertrag mit der privaten Kasse abschließen.

Vorsicht vor Befreiung von der Versicherungspflicht

Kein Zurück in die GKV gibt es grundsätzlich nach einer Befreiung von der Versicherungspflicht: Wer als privat Versicherter einmal einen solchen Antrag gestellt und die Erlaubnis bekommen hat, trotz eines geringeren Verdienstes unterhalb der Bemessungsgrenze privat versichert zu bleiben, der muss ein für alle Mal dabei bleiben.

Ab 55 Jahren gibt es kein Zurück

Eine magische Grenze für alle Wechselwilligen ist auch das Alter: Wer als Mitglied einer privaten Krankenversicherung das 55. Lebensjahr vollendet hat und in den letzten fünf Jahren nicht gesetzlich versichert war, dem ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse verwehrt. Selbst Geringverdiener und Arbeitslose kommen dann nur in wenigen Ausnahmefällen in die GKV zurück. Hier hilft gegebenenfalls eine Beratung in der Verbraucherzentrale oder von Fachanwälten.

Der Grund für die strenge Altersregel: Der Staat will die Solidargemeinschaft aller Versicherten in den gesetzlichen Kassen schützen. „Grundsätzlich ist uns jeder Versicherte willkommen“, sagt Ann Marini, Sprecherin des GKV-Spitzenverbands in Berlin zwar. Sie stellt aber klar: „Was wir ablehnen, sind Mitnahme-Effekte.“ Sich in jungen Jahren auf den günstigen Tarifen der PKV ausruhen und dann im Alter Zuflucht bei der Solidargemeinschaft suchen, das habe der Gesetzgeber zu Recht abgestellt, so die Sprecherin.

Hohe Hürden für Selbstständige

Noch schwerer als Angestellte haben es Selbstständige, die wieder in die gesetzliche Kasse möchten. Damit die GKV sie wieder aufnimmt, müssen sie in den sauren Apfel beißen: Ihr Gewerbe aufgeben, sich einen festen Job suchen und wieder als Angestellter arbeiten. Ein Minijob reicht nicht, er gibt ihnen nicht das Recht, sich wieder gesetzlich zu versichern. Eine weitere Bedingung ist, dass das Beschäftigungsverhältnis mindestens ein Jahr am Stück bestehen muss.

Zuletzt bleibt noch der Spartarif

Wenn der Weg zurück in die Gesetzliche endgültig verbaut ist, gibt es einen letzten Ausweg, Geld zu sparen: Ein Wechsel in einen Spartarif der privaten Kasse. Seit 2009 müssen alle privaten Krankenversicherer einen solchen Basistarif anbieten. Versicherte bekommen hier dieselben Leistungen wie ein Kassenpatient. Die Prämie ist gedeckelt und darf den maximalen Beitragssatz für gesetzlich Versicherte nicht übersteigen. Derzeit sind das 610,31 Euro.

Altkunden der Privaten, die über 65 Jahre alt sind und mindestens zehn Jahre privat versichert waren, können überdies in den ebenfalls günstigeren Standardtarif wechseln. Die Leistungen entsprechen auch hier denen der gesetzlichen Kasse.

Notfalltarif für säumige Zahler geplant

Für Versicherte, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, aber dennoch privat versichert bleiben wollen, bahnt sich eine dritte Lösung an: Die Privatkassen planen einen Notfalltarif. Er soll säumigen Zahlern eine neue Chance geben und gleichzeitig deren Grundversorgung sichern. Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherer in Köln gibt es bereits jetzt über 140.000 Nichtzahler in der PKV. Sie schulden den Kassen mehr als 500 Millionen Euro Beiträge.


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