Globalisierung

Während die USA sich abschotten, setzt China verstärkt auf Deutschland und Europa

Chinesische Auslandsinvestitionen sind auf einem Rekordhoch. Während US-Präsident Donald Trump Protektionismus predigt, setzt sich China für Freihandel und offene Märkte ein. Was heißt das für unsere Wirtschaft?

Rücken zusammen: Angela Merkel und der chinesische Präsident Xi Jinping. Foto: dpa

Rücken zusammen: Angela Merkel und der chinesische Präsident Xi Jinping. Foto: dpa

Amerika zuerst: Donald Trump bei seiner Antrittsrede. Foto: Reuters

Amerika zuerst: Donald Trump bei seiner Antrittsrede. Foto: Reuters

Berlin. Die Welt ist live dabei, als der neue US-Präsident auf den Stufen des Kapitols in Washington verkündet: „America first.“

Amerika zuerst – auf diese Botschaft lässt Donald Trump im Eiltempo Taten folgen. Das Freihandelsabkommen TPP mit Pazifikstaaten wie Australien und Japan – gekippt. Der Handel mit den Nachbarn Kanada und Mexiko – gestört. Es klingt nach einer Kampfansage gegen offene Märkte in der Welt.




Das alarmiert auch die Wirtschaft in Deutschland. Hiesigen Autobauern etwa droht Trump mit Strafzöllen von 35 Prozent auf ihre Einfuhren in die USA. Die weltgrößte Volkswirtschaft – Deutschlands wichtigster Handelspartner – schottet sich ab. Als Vorreiter für fairen Wettbewerb positioniert sich jetzt ausgerechnet der zentralistische Ein-Parteien-Staat China.

Deutschland ist für Chinesen besonders attraktiv

Bereits kurz vor Trumps Amtseinführung hatte der chinesische Präsident Xi Jinping den wichtigsten Weltwirtschaftsgipfel als politische Bühne genutzt: „Aus einem Handelskrieg wird keiner als Sieger hervorgehen“, warnte der kommunistische Staatschef im schweizerischen Davos.

China – die globale Wirtschaftsmacht auf Expansionskurs. Die Auslandsinvestitionen haben bereits im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht. 180 Milliarden Euro, 40 Prozent mehr als 2015! Das belegt eine brandaktuelle Studie des Mercator-Instituts für China-Studien in Berlin.

Die renommierte Denkfabrik stellt fest: Besonders aktiv sind die Chinesen in Europa, vor allem in Großbritannien – und Deutschland, wohin allein 11 Milliarden Euro geflossen sind. Spektakuläre Übernahmen wie die des Industrieroboter-Herstellers Kuka in Augsburg machten Schlagzeilen.

„Hinter solchen Entscheidungen steckt eine Strategie, mit der China zur weltweiten Technologie-Elite aufsteigen will“, so Mikko Huotari, Experte am Mercator-Institut. „Made in China 2025“ heißt das ambitionierte Ziel von Staat und Partei. Mit Zukäufen von Know-how lässt sich das am besten erreichen.

Besonders stark steigen chinesische Investoren bei mittelständischen Firmen ein, vor allem aus den Bereichen Hochtechnologie, Energie, Internet- und Kommunikationstechnologie. „Deutschland hat da etliche attraktive Weltmarktführer“, so Experte Huotari.

Unsere Wirtschaft profitiert von diesen Deals. „Chinesische Investitionen stärken den Standort Deutschland, schaffen Arbeitsplätze, bringen Kapital und eröffnen wiederum neue Märkte in China“, sagt Huotari.

Bei aller Offenheit in Deutschland für solche Übernahmen: „Es gibt hierzulande auch Bedenken“, so Huotari. Zum einen ist das politische System autoritär. Immer wieder verstößt das Land gegen die Menschenrechte. Das Verhältnis zwischen Berlin und Peking wird dadurch nicht einfacher.

Zum anderen sind die expansionsfreudigen Chinesen ihrerseits gar nicht so offen, wenn Ausländer dort investieren wollen.

Letzteres, kündigt das kommunistische Regime an, soll sich ändern: Entsprechende Reformen sind geplant.

China gewinnt an Bedeutung – und nutzt die aktuelle weltpolitische Lage als Chance. Und die USA? Die Handelsstatistik zeigt: Amerika liegt immer noch weit vor China – auch wenn dieser Abstand kleiner werden mag.

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