Leitartikel

Wachstum braucht Freiheit

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Für eine Partei, die schon einmal sieben Jahre lang den Vizekanzler gestellt hat, sind die Grünen bemerkenswert scharfer Kritik ausgesetzt: Sie wollten ganze Branchen abschaffen, ist von führenden Vertretern der Industrie zu hören. Es drohe das Ende unseres erfolgreichen Wirtschaftsmodells.

Die Aufregung lässt sich auf zwei Arten erklären – die erste wäre die harmlosere: Es sei Wahlkampf, da werde halt geholzt. Und die angekündigte „Transformation der Industrie“ werde schon nicht allzu viel kaputt machen. Schließlich hätten die Grünen als Regierungspartei im Bund sogar den Arbeitsmarkt liberalisiert, die Firmensteuersätze gesenkt und etlichen energieintensiven Betrieben Ausnahmen von der Stromsteuer verschafft.

Die zweite Lesart geht tiefer. Der Aufschrei der Manager gilt weniger dem Wahlprogramm als der dahinterstehenden Idee, die auch in anderen Parteien herumgeistert: Die Politik solle die Wirtschaft mit immer stärkerer Regulierung „intelligent wachsen“ lassen.

Das gleichnamige Buch des Grünen-Vordenkers Ralf Fücks empfiehlt dies auf 362 Seiten als Alternative zum altlinken Ökopessimismus. Für die Sorge der Industrie, sie verliere ihre globale Wettbewerbsfähigkeit, hat der Autor nur einen dürren Satz: Wenn sie in „Energie- und Materialeffizienz“ investiere, rechne sich das „meist in sehr kurzen Zeiträumen“.

Wachstum per Daumenschraube? Soziale Marktwirtschaft geht anders. Hier entsteht alles Neue letztlich aus unternehmerischem Wagnis; der Staat schafft nur die Rahmenbedingungen. In diesem dezentral inspirierten Wachstum liegt die Quelle unseres Wohlstands – und auch vieler Fortschritte beim Umweltschutz.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang