Interview: „Wir müssen Bewusstsein für technologische Veränderungen wecken“

Vordenker erklärt: So bereitet sich die Chemie-Branche auf die digitale Entwicklung vor

Es führt kein Weg drumherum: Die Chemie-Branche muss sich schnellstmöglich auf die Digitalisierung vorbereiten. Wie das strategisch geht, haben wir in Frankfurt Henrik Hahn von der „Task Force Industrie 4.0“ gefragt.

Henrik Hahn, Leiter Digitalisierungsstrategie beim Spezialchemie-Konzern Evonik und Chef der „Task-Force Industrie 4.0“ des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Foto: VCI

Henrik Hahn, Leiter Digitalisierungsstrategie beim Spezialchemie-Konzern Evonik und Chef der „Task-Force Industrie 4.0“ des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Foto: VCI

Vernetzt: Auch in der Produktion spielen Daten eine wichtige Rolle. Foto: dpa

Vernetzt: Auch in der Produktion spielen Daten eine wichtige Rolle. Foto: dpa

Frankfurt. Wohin führt die Digitalisierung? Warum müssen wir uns vorbereiten? Das erklärt Henrik Hahn, Leiter Digitalisierungsstrategie beim Spezialchemie-Konzern Evonik und Chef der „Task-Force Industrie 4.0“ des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt.

Sie sprechen für eine ganze Branche. Wie kann die sich vorbereiten?

Die wichtigste Aufgabe ist die Bewusstseinsbildung in der Chemie-Industrie, dass hier gerade erhebliche technologische Veränderungen auf großer Breite stattfinden. Der Verband hat letztes Jahr die Task Force Industrie 4.0 gegründet. Hier treffen sich Firmen zur strategischen Arbeit. Sie prüfen, welche Rahmenbedingungen nötig sind, wie zum Beispiel der Ausbau digitaler Infrastruktur mit Breitband- und Glasfasertechnologie. Und formulieren Handlungsempfehlungen für die Politik.

Sind wir gut aufgestellt?

Dank des starken Maschinenbaus und der breiten industriellen Basis haben wir in Deutschland eine gute Grundlage. Zudem punkten wir mit unserem dualen Ausbildungsmodell und der international anerkannten deutschen Hochschulbildung.

Was müssen wir denn noch anpacken?

Wir brauchen einen Kulturwandel in den Betrieben. Schnelligkeit und Agilität werden eine viel größere Rolle spielen; Flexibilität, datenbasierte Wirtschaft und der Aufbau von Eco-Systemen, also das Umfeld eines Unternehmens mit Kunden, Märkten und Wettbewerbern. Deutsche Unternehmen und Hochschulen müssen sich zudem noch stärker für Innovationen öffnen.

Das klingt anstrengend …

Manche machen sich Sorgen, dass sie mit der Geschwindigkeit des technologischen Wandels nicht mithalten können. Deshalb sind wir gut beraten, der Digitalisierung mit einer Qualifizierungsoffensive zu begegnen. Denn die Nutzung digitaler Technologien zeigt bereits heute, dass das angenommen wird, was Nutzen stiftet. Schauen Sie zum Beispiel auf die Verbreitung von Smartphones.

Also alles easy going?

Nein, auch der Umgang mit Fehlern und Irrtümern gehört immer dazu. Mit der Chance, daraus zu lernen.

Was wird Erfolg haben?

Alles, was Kundennutzen, steigende Produktivität und verbesserte Abläufe verspricht. Leider gibt es kein Patentrezept, wie das geht. Jedes Unternehmen muss selber seine Schlussfolgerungen in Bezug auf die künftige Ausrichtung ziehen.


Mehr zum Thema:

Die Digitalisierung wird die Arbeit in der Produktion enorm verändern. Wie geht die Chemie-Branche damit um? Welche Rolle spielt dann noch der Mitarbeiter? Darüber diskutierten die Sozialpartner jetzt in Frankfurt.

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