RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Staat dreht am Preis

Vor 20 Jahren wurde der Markt liberalisiert – doch Strom kostet immer mehr

Durch den Wechsel des Stromanbieters kann bis zu 390 Euro im Jahr sparen, wer noch einen Grundversorgungsvertrag hat. Die Liberalisierung des Strommarkts vor 20 Jahren macht’s möglich. Warum Strom heute dennoch teurer ist.

Hoher Verbrauch? Mit dem Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter kann man einiges sparen. Foto: Adobe Stock

Hoher Verbrauch? Mit dem Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter kann man einiges sparen. Foto: Adobe Stock

Berlin. Den Stromversorger wechseln wie die Bank oder die Versicherung – seit 20 Jahren ist das nun möglich. Heute haben Verbraucher die Auswahl zwischen im Schnitt 112 Anbietern und können beim Wechsel zu einem günstigeren Versorger eine Menge Geld sparen.

Trotzdem ist Elektrizität heute deutlich teurer als vor der Liberalisierung des Markts. Inflationsbereinigt nahm der Preis für die Kilowattstunde Strom um ein Drittel zu, seitdem das „Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts“ im Jahr 1998 die Gebietsmonopole der Stromkonzerne, Stadtwerke und Gasversorger aufhob und so erstmals Preiswettbewerb ermöglichte.

Den Energielieferanten bleibt immer weniger Spielraum

Verantwortlich für den teuren Strom ist Vater Staat, der kräftig mitkassiert und so die Energiewende finanziert. „Der Kostenblock der Umlagen, Steuern und Abgaben macht 2018 fast 55 Prozent des Strompreises aus“, berichtet Stefan Kapferer, Vorsitzender des Versorgerverbands BDEW in Berlin. Was nicht nur die Kosten treibe, sondern auch den Wettbewerb einschränke: „Den Energielieferanten bleibt immer weniger Spielraum für die Preisgestaltung.“


Von den 29,42 Cent, die eine Kilowattstunde Strom heute im Schnitt kostet, fließen 16 Cent an den Staat – statt 4 Cent vor 20 Jahren. Die Kostentreiber:

  • Die Ökostrom-Umlage. Mit ihr wird die Erzeugung von Strom in Wind-, Solar- und Biomasse-Anlagen gefördert. Von 0,2 Cent im Jahr 2000 ist sie mittlerweile auf stolze 6,79 Cent je Kilowattstunde gestiegen – fast ein Viertel des Strompreises. Knapp 23,8 Milliarden Euro werden Verbraucher und Unternehmen dafür in diesem Jahr aufbringen.
  • Das Netzentgelt. Damit bezahlt der Kunde die Nutzung des Netzes für die Stromlieferung. Im Durchschnitt sind es 7,27 Cent. Weil für die Energiewende rund 7.700 Kilometer Stromtrassen für 18 Milliarden Euro neu gebaut oder aufgerüstet werden sollen, dürfte die Abgabe weiter steigen.
  • Die Steuer. Fällig sind einmal 2,05 Cent Stromsteuer. Sie soll zum Energiesparen anregen. Auf die Summe aller Preisbestandteile kommt zudem die volle Mehrwertsteuer. Insgesamt kassiert der Fiskus 6,75 Cent.

All das macht Strom teuer. Da lohnt oft der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. 30 Prozent der Haushalte haben noch den klassischen Grundversorgungsvertrag mit dem örtlichen Unternehmen – sie können bis zu 390 Euro im Jahr sparen.

Die Tarife kann man im Internet vergleichen, bei den Anbietern selbst oder über Vergleichsportale. Achten sollte man auf monatliche Zahlweise und kurze Kündigungsfrist. Und die Frage prüfen: Lohnt der Wechsel auch langfristig, ohne die Wechselprämie? Die Abmeldung übernimmt der neue Versorger.

Mehr zum Thema:

Aus den Rivalen RWE und Eon werden Partner: RWE wird nur noch Strom erzeugen. Eon verteilt und verkauft ihn. Ein Experte erklärt, was der Schulterschluss für den Wettbewerb und für die Energiewende bedeutet.

Offshore-Windparks liefern immer mehr Strom, berichtet das Kasseler Fraunhofer-Institut IEE in einer Studie. Danach werden Windräder 2030 an 363 Tagen pro Jahr Strom erzeugen – und so zu einem Garanten für Versorgungssicherheit.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang