Fest im Sattel

Von wegen prekär: Die Zahlen vom Arbeitsmarkt beeindrucken


Half die Peitsche der Hartz-Reformen? Am Arbeitsmarkt ging es sprunghaft aufwärts. Foto: dpa

Köln. Es wird einfach alles immer schlimmer – das scheint für manche alte Gewerkschaftler klar. Berthold Huber jedenfalls, Chef der mächtigen IG Metall, warnte kürzlich vor einem „hausgemachten Trend zur prekären Beschäftigung“ und forderte sogar „eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt“.

Ist der etwa so in Unordnung? Hat Deutschland nicht vielmehr gerade in Sachen Beschäftigung zuletzt große Sprünge gemacht? Aber hallo!

So viele klassische Stellen wie heute hat es seit 1996 nicht mehr gegeben

Die klassischen Arbeitsplätze im Lande sind keineswegs weniger geworden. Sondern mehr – seit Jahren schon. 24,2 Millionen „Normalarbeitsverhältnisse“ weist der Mikrozensus des Statistischen Bundesamts für 2012 aus: 24,2 Millionen Menschen, die unbefristet in Vollzeit angestellt sind (Soldaten und Zeitarbeiter nicht mitgerechnet). Das ist der höchste Wert seit 1996. Wer nicht Vollzeit schafft, hat in 84 Prozent der Fälle persönliche Gründe dafür, nur jede sechste Teilzeitkraft würde lieber ganztags arbeiten.

Die Beschäftigung insgesamt liegt auf Rekordniveau, die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist denn auch langsam gesunken. Etwas über eine Million Menschen sind jetzt laut Bundesagentur für Arbeit (BA) seit mehr als zwölf Monaten ohne Job. Das sind immerhin rund 250.000 weniger als vor fünf Jahren.

Befristet Beschäftigte werden nun öfter übernommen – schließlich wissen die Firmen um den drohenden Mangel an guten Leuten. Das Betriebspanel der BA-Forschungseinrichtung IAB zeigt: Im ersten Halbjahr 2012 wurden 39 Prozent der auslaufenden Verträge – Azubis nicht mitgerechnet – in einen festen Job im gleichen Betrieb umgewandelt. Im ersten Halbjahr 2009 waren es erst 30 Prozent.

Und generell bleiben sich Firmen und Mitarbeiter länger treu. 2001 lag die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in Deutschland nach Angabe der Industriestaaten-Denkfabrik OECD bei gut zehn Jahren. 2011 waren es elfeinhalb Jahre.

Übrigens: Die Zahl der Minijobber im gewerblichen Bereich ist nicht etwa gestiegen. Ende 2012 lag sie laut Minijob-Zentrale bei 6,8 Millionen – genau wie Ende 2004. Fünf von sieben dieser Kräfte sind Schüler, Studenten, Rentner oder Nebenbei-Minijobber.

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