Medizintechnik

Von langer Hand


Warum Ärzte eines Tages vom Sofa aus arbeiten können

München. In Zukunft fehlt an manch einem OP-Tisch vielleicht die entscheidende Person. Sie sitzt stattdessen in einem Nebenraum. Oder auf dem bequemen Sofa im heimischen Wohnzimmer. Vielleicht sogar in einem Büro am anderen Ende der Welt. Und sie operiert von dort – mit einem ferngesteuerten Roboterarm.

Eine aufregende Perspektive: Koryphäen aus anderen Teilen der Welt müssten bei schwierigen Fällen nicht mehr eingeflogen werden. Bereits seit zwölf Jahren forschen Wissenschaftler der Tech-nischen Universität München an den technischen Grundlagen dafür – in Kooperation mit der Münchner Universität der Bundeswehr und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Jetzt präsentierten sie die Ergebnisse der Öffentlichkeit. „Wir haben die Grundlagenforschung geleistet“, sagt Professor Martin Buss, Leiter des Lehrstuhls für Steuerungs- und Regelungstechnik der TU München. „Für die Umsetzung unserer Erkenntnisse suchen wir jetzt Partner aus der Industrie.“ Wie schnell die Tele-OP von der Utopie zur Wirklichkeit wird, dazu wagte Buss noch keine Prognose.

Ferngesteuerte Roboter reparieren im All

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, so betont Buss, seien auch für viele andere Industrie-Anwendungen interessant. Denn es ging dabei um

  • dreidimensionales Sehen,
  • räumliches Hören und
  • die Feinfühligkeit menschlicher Hände. Insbesondere dieses Gespür für Kräfte und Gewichte ist schwer nachzuahmen.

Die neue Technik könnte auch das einfache und sichere Arbeiten an gefährlichen oder unzugänglichen Orten ermöglichen. So würden sich mit ferngesteuerten Robotern Reparaturen im All ausführen lassen, Minen entschärfen oder Aufgaben in einer radioaktiven Umwelt erledigen.

Interessant ist auch die Forschung zum räumlichen Hören. So können Hubschrauber-Piloten Funkkontakte leichter unterscheiden, wenn jeder Stimme eine andere Richtung zuzuordnen ist.

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