Unternehmertag

Von Energie bis Euro


„Perspektive Vollbeschäftigung mit Volldampf angehen“

 

 

Wiesbaden. Eine Job-Offensive gemeinsam mit der Politik und den Gewerkschaften – das wünschen sich die hessischen Unternehmer. „Gegenwärtig gilt es, die Perspektive Vollbeschäftigung mit Volldampf anzugehen“, erklärte Professor Dieter Weidemann auf dem 20. Hessischen Unternehmertag (HUT) in Wiesbaden.

 

 

 

Politik und Wirtschaft im Dialog

 

 

 

Vor über 1.000 Vertretern aus Wirtschaft und Politik forderte der Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) eine Konzentration auf die Chancen für Deutschland und Hessen: „Sie liegen in beharrlich verfolgten strukturellen Reformen, jenseits des kurzfristigen Auf und Ab der Konjunktur.“ Dabei reicht das Themenspektrum von der Energieversorgung bis zum Euro. So sei es wichtig, die öffentlichen Haushalte durch striktes Sparen in Ordnung zu bringen. Die Schuldenkrisen einzelner Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hätten sich zu einer großen Gefahr für unseren Wohlstand und den gesellschaftlichen Zusammenhalt entwickelt.

 

 

 

Und schließlich benötige die hessische Wirtschaft gerade während der Energiewende eine sichere Energieversorgung zu niedrigen Preisen.

 

 

 

Weidemann: „Gegenwärtig haben wir mit die höchsten Energiepreise in Europa, der Energiestrompreis liegt beispielsweise 40 Prozent über dem von Frankreich.“ Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, dürften die Unternehmen nicht weiteren Kostensteigerungen unterworfen werden, wie sie die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erneut bewirke.

 

 

 

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier plädierte für eine sichere, bezahlbare und saubere Energie: „Das ist das Ziel, aber der Weg dorthin wird nicht einfach sein.“

 

 

 

 

 

 

 

„Solaranlagen ohne Ende“

 

 

 

Der EU-Kommissar Günther Oettinger, Gastredner des Unternehmertages, widmete sich in seinem Vortrag den Chancen in Europa. „Den Weg aus der Schuldenfalle müssen wir gemeinsam gehen“, betonte er und forderte mehr Zusammenhalt. Dabei dürfe man nicht immer nur nach den schwachen Staaten wie Griechenland schauen. „Wir müssen auch mal Lettland, Estland oder die Niederlande sehen, die besser dastehen als wir.“

 

 

 

Für die Energiewende in Deutschland fand er wenig lobende Worte, wünschte sich mehr europäisches Denken: „Orangen brauchen viel Sonne, deshalb gibt es nicht hier, sondern im Süden Europas Orangenplantagen. Aber dank toller Förderprogramme gibt es bei uns Solaranlagen ohne Ende.“ Für ihn steht fest: „Sicherer und bezahlbarer Strom, das wird eine der Hauptaufgaben der Zukunft sein.“

 

 

 

Maja Becker-Mohr

Das sagen Unternehmer

 

 

Norbert Koch, Geschäftsführer der Selzer Fertigungstechnik in Driedorf. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Präzisionsteile für Bremsen und Getriebe und beschäftigt 600 Mitarbeiter.

 

 

 

Wir sind gut aufgestellt, haben neue, innovative Produkte, deshalb sehen wir einigermaßen entspannt in die Zukunft. Aber vieles bereitet uns auch Sorgen. Die Planungen für das kommende Jahr sind extrem schwierig. Bleibt der Euro stabil? Bleiben die Kosten im Rahmen, gerade bei Rohstoffen und beim Thema Energie? Je teurer die Energie, umso schwerer wird es, wettbewerbsfähig zu produzieren. Und es wird einfach schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. Effizienz, Qualitäts- und Prozesssicherheit funktioniert nur mit motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern.

 

 

 

Stefan Weber, Mitglied der Geschäftsführung von Duktus in Wetzlar. Die Gruppe hat am Standort 300 Mitarbeiter und produziert Rohre aus duktilem Guss.

 

 

 

Beim HUT wurde endlich klar ausgesprochen, was Sache ist. Stromintensive Gießerei­betriebe wie wir leiden sehr unter der EEG-Abgabe. 2011 wird sie uns fast eine Million Euro kosten. Mit dem Geld, das uns nun für Investitionen fehlt, werden jetzt irgendwo Solaranlagen gefördert. Dabei ist Strom hier ohnehin schon richtig teuer. Für uns ein klarer Wettbewerbsnachteil. Lösen lasssen sich solche Probleme nur auf EU-Ebene.

 

 

 

Christof Zimmermann, Personalleiter des Gelenkwellenspezialisten GKN Driveline Deutschland GmbH, Standort Offenbach. Das Unternehmen beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter.

 

 

 

Um Kosten zu senken, haben wir unter anderem ein eigenes Blockheizkraftwerk installiert und die Dächer neu isoliert. Stahlrohlinge werden so geschmiedet, dass möglichst wenig Zerspanungsabfall entsteht. Oberstes Ziel ist eine wirklich hohe Produktivität. Das verlangt viel von den Mitarbeitern, ist aber die einzige Chance, auch in Zukunft im harten internationalen Wettbewerb zu bestehen.

 

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