Menschen

Vom Auto zum Traktor


Spezialist für schlanke Fertigung: Josef Nüschen leitet auch die Lernfabrik, in der an Traktormodellen experimentiert wird (im Hintergrund). Foto: Puchner

Josef Nüschen baut bei Fendt am modernsten Werk der Welt mit

Marktoberdorf. Mit neuen Fabriken kennt sich Josef Nüschen bestens aus. Auf seinen ersten beiden Berufsstationen hat der Maschinenbau-Ingenieur den Aufbau von sieben Produktionsstätten geplant und geleitet: in Brasilien, Mexiko, den USA und Kanada sowie in Rumänien, 13 Jahre insgesamt. Das war für die Auto-Zulieferer Hella und Honsel.

„Diese Erfahrungen nutze ich jetzt für Fendt“, sagt der 40-Jährige. Seit knapp eineinhalb Jahren ist er bei dem Allgäuer Traktor-Hersteller in Marktoberdorf. Das Unternehmen errichtet dort neben der alten Fertigung das modernste Werk der Branche. Im September 2012 soll der erste Schlepper in der neuen Endmontage vom Band laufen.

Nüschen leitet ein Team mit 16 Mitarbeitern, das für schlanke Fertigung und ein besonders effizientes Produktionssystem sorgt. Verglichen mit der Auto-Industrie eine noch anspruchsvollere Aufgabe: „Die Komplexität ist höher“, betont Nüschen.

Denn in derselben Produktionslinie werden viele Traktor-Baureihen hergestellt – in einer Auto-Fabrik mit wesentlich höheren Stückzahlen in der Regel nur ein Modell. Nüschen erläutert mit einem Vergleich diese Herausforderung: „Unser größter Schlepper wiegt mit zehn Tonnen das Fünffache des kleinsten.“

Wege in der Produktion verkürzt

Trotzdem – Fendt schaut sich einiges von den Kollegen im Automobilbau ab. Das fängt bei den Arbeitsplätzen an: Werkzeuge und Bauteile wie Hydraulik-Leitungen liegen auf kleinen Wagen bereit. Das macht den Job am Montage-Band flexibler und erspart viele Wege zu Regalen. „Pro Traktor verkürzt sich so die Strecke eines Mitarbeiters um 60 bis 70 Meter auf 10 Meter“, rechnet Nüschen vor.

Neu geordnet hat Fendt auch den Informationsaustausch im Werk. Vorbild dafür ist ebenfalls die Autobranche. „Die Führungskräfte kommen zu kurzen Besprechungen täglich in die Produktion“, berichtet Nüschen. Der Fachbegriff dafür ist Shopfloor-Management – Shopfloor ist das englische Wort für Fabrik.

Die Informationen fließen von unten nach oben: von den Mitarbeitern zum Meister, vom Meister zu den Bereichsleitern und von diesen zum Werkleiter. Auch die Führungskräfte machen sich an Ort und Stelle ein Bild von möglichen Problemen.

„Sehr hohes Innovationstempo“

„Ein Vorteil dieses Prinzips ist, dass Schwachstellen und Fehlerquellen ganz schnell entdeckt und behoben werden können“, sagt Nüschen.

Alles in allem muss sich nach seiner Erfahrung die Landmaschinen-Technik im Vergleich mit dem Autobau nicht verstecken: „Das Innovationstempo von Fendt ist sehr hoch.“ Und noch etwas ist Nüschen gleich aufgefallen: „Die Mitarbeiter hier fühlen sich dem Unternehmen besonders eng verbunden.“

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Technik fand ich schon als Kind faszinierend. Für das Thema „schlanke Produktion“ habe ich mich dann früh während meines Studiums und als Praktikant interessiert.

Was reizt Sie am meisten?

In der Produktion finden sich ständig neue Möglichkeiten für Verbesserungen. Nur so bleibt ein Unternehmen fit und flexibel.

Worauf kommt es an?

Vor allem die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, auch einmal Gewohnheiten aufzugeben. Allerdings dürfen dabei ihr Wissen und ihre Erfahrungen nicht auf der Strecke bleiben.

Artikelfunktionen


Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang