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Passgenau produzieren

Viele Alltagsprodukte kommen bald aus dem 3-D-Drucker

Längst spielt sich der 3-D-Druck nicht nur im Prototypenbau ab. Mittlerweile entstehen so auch Brillen, Schuhe oder Hüftgelenke. Experten sind sicher: In Zukunft werden wir zu Hause selbst Gegenstände ausdrucken.

Gut zu Fuß: Die Schuhsohle wird dem Träger individuell angepasst. Foto: Fraunhofer

Gut zu Fuß: Die Schuhsohle wird dem Träger individuell angepasst. Foto: Fraunhofer

Personalisierte Brille: Breiter Nasenrücken oder große Ohren sind kein Problem mehr. Foto: Powder and Heat

Personalisierte Brille: Breiter Nasenrücken oder große Ohren sind kein Problem mehr. Foto: Powder and Heat

Süßes und Technik: Katjes druckt mit der „Magic Candy Factory“ in 13 Ländern Süßigkeiten aus. Foto: Katjes

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Zahntechnik: Biss-Schienen werden heute schon beim Arzt erstellt. Foto: Detax

Zahntechnik: Biss-Schienen werden heute schon beim Arzt erstellt. Foto: Detax

Aachen. Ob Sprinter-Ass oder Freizeitjogger: Schnell weg vom Fleck kommt man nur mit passenden Schuhen. Aufs An- und Ausprobieren wird man in Zukunft aber verzichten können. Dann kommt der Schuh aus dem 3-D-Drucker. Der fertigt etwa die Sohle genau nach den vorher digital erfassten, individuellen Maßen des Trägers. Sportler sprinten dann mit maßgeschneiderten Einzelstücken über die Tartanbahn oder den Rasen.

„Teure Formen und Werkzeuge braucht man dafür nicht“, sagt Jochen Kittel vom Fraunhofer-Institut für Lasertechnik in Aachen. Komplexe Produkte ließen sich so in geringer Stückzahl herstellen und zwar zu vertretbaren Kosten.

Wie das funktioniert, erproben Kittels Kollegen vom Fraunhofer-Institut Umsicht in Essen. Aus ihrem Labor stammt die 3-D-gedruckte Sohle. Ein computergesteuerter Laser erhitzt eine Pulverschicht aus Polyurethan, die nur einen Zehntelmillimeter dick ist. Schicht für Schicht verschmilzt sie zu einer flexiblen Masse an genau definierten Punkten. „Gerade Gegenstände mit hohem Anpassungsbedarf sind sehr gut für den 3-D-Druck geeignet“, weiß Kittel.

Das Beispiel zeigt: Längst spielt sich der 3-D-Druck nicht mehr nur im industriellen Prototypenbau ab. Auch Hörgerätegehäuse oder Aufbiss-Schienen gegen das Zähneknirschen entstehen mittlerweile im 3-D-Drucker. Hinzu kommen passgenaue künstliche Hüftgelenke aus Metall, die per Laserschmelzen in die Höhe wachsen. Selbst Süßes wie Gummibärchen wird heute ausgedruckt.

Das Brillen-Start-up Powder & Heat aus dem bayerischen Erdingen etwa fertigt seit Ende 2016 Fassungen mit dem selektiven Lasersintern. Eine Technik, die auch in der Industrie Anwendung findet. „Die Maße des Kunden ermittelt eine Software beim Optiker. Wir verarbeiten sie dann weiter“, so Geschäftsführer Georg Vollmer.

Ob Brille, Schulsohle oder Motorteile, deutsche Unternehmen sind beim 3-D-Druck weltweit führend. Sie erzielen laut der Unternehmensberatung Ernst & Young pro Jahr fast 1 Milliarde Euro Umsatz mit solchen Bauteilen. Ingenieur Knittel prophezeit der Technik großes Potenzial – auch für den Alltag: „In Zukunft werden wir zu Hause selbst Gegenstände ausdrucken.“ Leistungsfähige 3-D-Drucker gibt es heute schon für unter 1.000 Euro.

Leistungsfähige Drucktechnik gibt es schon für unter 1.000 Euro

Womöglich kann man dann die durchgelaufene Schuhsohle zu Hause selbst erneuern – und das passgenau. Vorausgesetzt, man weiß, wo einen bisher der Schuh drückte.


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