Sechs aktuelle Clips

Videobotschaft für Kunden und Bewerber: Wie bayerische Firmen Youtube nutzen

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Noch besser wirken Filme: Sie sprechen den Zuschauer emotional an. Für Unternehmen ist ein Kanal auf Youtube daher ideal, um sich und ihre Produkte zu präsentieren.


Einblick per Klick – in der folgenden Galerie zeigen wir Ihnen sechs Videos von MAN, ZF und Continental:

München. So schnell kann’s gehen: 200.000 Klicks in der ersten Woche – und bis Heiligabend hatte bereits eine halbe Million Zuschauer das Weihnachtsvideo des Münchner Fahrzeug- und Maschinenbauers MAN auf „Youtube“ gesehen. Der Clip erzählt von Trucker „Eddie“, der mit seinem Brummi den Weihnachtsmann chauffiert. Und das mit viel Herz und Humor: genau die Eigenschaften, die Erfolg auf der Video-Plattform versprechen. Auch für Unternehmen.

So wird aus einem einfachen Clip eine neue Geschäftsidee

Youtube entstand 2005, zunächst um private Filme mit Freunden zu teilen. Mittlerweile zählt das Portal weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer. Pro Minute werden etwa 300 Stunden Material hochgeladen. Und längst gibt es dort mehr zu sehen als ruckelige Katzenvideos: Die Szene hat sich stark professionalisiert.

Auch Bayerns Firmen probieren dort einiges aus. Das Eddie-Video etwa wurde in der MAN-Konzernsparte Truck & Bus kontrovers diskutiert. „Darf man den Weihnachtsmann verulken?“, fragten die Skeptiker. „Ja“, lautet die Antwort von MAN-Marketingspezialist Michael Mardofel: „Es lohnt sich, mutig zu sein.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Aus dem Video könnte sogar ein neues Geschäft entstehen: Viele Kunden wollen das leuchtende MAN-Logo bestellen – eine Sonderanfertigung für den Film.

Seit drei Jahren betreut Mardofel die Aktivitäten von MAN Truck & Bus in den sozialen Medien. „Youtube haben wir anfangs wenig beachtet“, sagt er. Hochgeladen wurde einfach jeder Film, der da war. Doch da geht mehr, ist er nun überzeugt: „Über Videos vermitteln wir komplexe Inhalte emotional, authentisch und nah am Menschen.“

Vor allem auf sogenannte Storytelling-Formate hat sich die Firma spezialisiert: Berichte von Fahrern, die ihre Erlebnisse mit den Trucks schildern. Mardofel: „Vom Kunden für den Kunden, das kommt an.“ Er hat noch viel mit dem Kanal vor und baut ihn aus, mit Videos für Personalmarketing.

Auf Youtube gibt es sowohl professionelle als auch Amateurclips zu sehen. Das Angebot reicht von Unterhaltung und News bis zu Schminktrends, Musik und kommentierten Videospielen.

Auch der Technologiekonzern ZF deckt ein breites Feld mit seinen hochgeladenen Filmen ab: Wissensvermittlung, Produktneuheiten, Firmennachrichten und Infos für Bewerber. „Videos haben Vorteile gegenüber Text“, sagt Susanne Scherbaum, bei ZF Leiterin Publishing und Editorial Office in der Konzernkommunikation. „Sie sind emotional und sprechen besonders auch junge Menschen an.“ In einem weltweiten Team koordiniert ZF seine Social-Media-Kommunikation. Bayerische Standorte wie Passau, Thyrnau oder Schweinfurt sind eingebunden.

Soziale Medien – vor allem Youtube – bieten die Chance, die Firma von einer sehr persönlichen Seite zu zeigen. Etwa in Azubi-Videos für Schulabgänger. „Kurz geschnittene, lebendige Sequenzen sind das“, so Martin Frick, Leiter des Personalmarketings von ZF. Die Azubis filmen selbst mit dem Smartphone, bleiben so auf Augenhöhe mit möglichen Bewerbern: „Sie vermitteln ein realistisches Bild.“

Wie man den Kanal für unterschiedliche Zielgruppen passend einsetzt, macht auch der Automobilzulieferer Continental vor. Etwa beim Thema Motoren: Für Experten gibt es komplexe Technikfilme und für die breite Öffentlichkeit einfache Erklär-Videos. Komplexe Dinge auch für Laien verständlich darzustellen – dafür ist Youtube ideal. So informiert Conti Endverbraucher über Produkte, bietet technische Hilfe, erzählt spannende Geschichten und sendet live von Veranstaltungen.

Manche Moderatoren werden richtige Stars im Netz

Mareike Elena Wiemann, Social Media Community Manager bei Continental, sieht als Vorteil für das global agierende Unternehmen, dass Youtube in mehr als 50 Ländern und 60 Sprachen verfügbar ist: „Mit einem Beitrag erreichen wir gleich mehrere Märkte.“ Auch Continental baut sein Angebot aus und berücksichtigt dabei Trends im Nutzer-Verhalten: Viele abonnieren bestimmte Kanäle wegen eines beliebten Moderators – im Format „The Garage“, das ab Februar als Serie laufen wird, setzt der Konzern daher einen Moderator ein, der kurzweilig Technik erklärt.

Das passt gut zu Youtube. Manche Moderatoren erreichen dort Kult-Status, wie Florian Mundt alias „LeFloid“. Der deutsche Youtuber kommentiert frech weltpolitisches Geschehen und interviewte im Sommer 2015 sogar Kanzlerin Angela Merkel. Stars wie er begeistern Millionen.

Was man bei allen Vorteilen nicht vergessen darf: Die schnell verbreiteten Botschaften bergen auch Risiken, räumt MAN-Marketingexperte Mardofel ein. Eine Kampagne kann nach hinten losgehen. Wichtig sei ein „vernünftiges Community-Management“: Mardofel hat daher stets alle Kanäle, Kommentare und Bewertungen im Blick, die MAN betreffen. „So können wir schnell reagieren, wenn etwas nicht wie gewünscht ankommt.“

Videos von überall und rund um die Uhr

  • Zwei von drei Betrieben weltweit sind auf „Youtube“ aktiv, so eine Studie des in München ansässigen Arbeitskreises Social Media B2B, in dem sich namhafte Firmen zusammengeschlossen haben. Bei der Social-Media-Nutzung liegt Youtube auf Platz vier nach Facebook, Xing und Twitter.
  • 2,9 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland, so eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, veröffentlichen regelmäßig Videos auf Youtube. Von den 12- bis 19-Jährigen schauen 60 Prozent täglich Clips.
  • 70 Prozent der Nutzer nennen als Vorteil gegenüber TV, dass die Clips jederzeit abrufbar sind. Es geht um Spaß, Entspannung, Kontakt zu Freunden, aber auch Information.

Interview

Holger Geißler, Vorstand des Marktforschungsinstituts Yougov in Köln. Foto: Yougov
Holger Geißler, Vorstand des Marktforschungsinstituts Yougov in Köln. Foto: Yougov

Bewegte Bilder sind die neue Art zu werben

Köln. „Youtube“ ist das weltgrößte Videoportal. Wie Unternehmen das Medium einsetzen können, sagt Holger Geißler, Vorstand des Marktforschungsinstituts Yougov in Köln.

Warum sollten Firmen auf der Plattform mitmischen?

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Der Trend geht klar zu bewegten Inhalten. Dieses Verhalten ist besonders ausgeprägt bei Jüngeren. Wer sie erreichen will, kommt an dem Kanal nicht mehr vorbei. Auch Ältere nutzen Youtube immer häufiger. Der Bäcker um die Ecke braucht nicht unbedingt eigene Videos. Doch jedes größere Unternehmen ist gut beraten, sich über einen Auftritt Gedanken zu machen.

Was wird denn in den Videoclips alles gezeigt?

Im B2B-Bereich bestehen viele Angebote aus Werbefilmen, in denen es darum geht, Unternehmen und ihre Produkte zu präsentieren. Es gibt aber auch immer mehr sogenannte Tutorials, die zum Beispiel die Funktion von technischen Geräten erklären.

Auf was sollten Unternehmen bei der Produktion solcher Filme achten?

Das Wichtigste ist, dass die Botschaft authentisch rüberkommt und zur Marke passt. Es muss nicht immer Hochglanz sein. Schon mit relativ einfachen Mitteln wie Handykamera, Stativ und etwas Beleuchtung lassen sich Videos aufnehmen, die überzeugend sind. Es sollte derjenige vor die Kamera, der das am besten kann. Das muss nicht unbedingt der Chef sein.

Welches Potenzial besitzt das Format?

Social Media ist für Unternehmen zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden und ist vielerorts bereits fester Bestandteil des Marketing. Das Angebot an Inhalten wächst rasant. Da wird es zunehmend schwieriger, aus der Masse herauszustechen. Das schafft man, wenn ein Video viral geht, also 1.000-fach geteilt und weiterverbreitet wird. So etwas gelingt oft mit witzigen Clips.

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