Ein Unternehmer warnt:

Vermögensteuer gefährdet Investitionen und Arbeitsplätze


Igersheim. Höhere Steuern für „Reiche“ – diese Forderung ist manchen Umfragen zufolge mehrheitsfähig, und so steht es auch in den Programmen der Opposition zur Bundestagswahl am 22. September. Vor allem die Pläne zu einer Wiederbelebung der Vermögensteuer lassen allerdings in der Wirtschaft die Alarmglocken schrillen. „Das schwächt das Fundament von Familienunternehmen – und wenn eine Krise dazukommt, wackeln die Steine“, sagt der Unternehmer Manfred Wittenstein.

Er ist Eigentümer des gleichnamigen Antriebssysteme- und Motorenherstellers mit weltweit 1.700 Mitarbeitern und Sitz in Igersheim (Baden-Württemberg). Im Gespräch mit AKTIV untermauert er seine Bedenken mit handfesten Firmenzahlen.

Gefahr für weite Teile des Mittelstands

„Wir schütten seit Jahren nur 10 Prozent des Gewinns an die Anteilseigner aus – und stecken 90 Prozent in den Betrieb“, berichtet Wittenstein. Er verweist auf die größte Innovation der 64-jährigen Firmengeschichte: die im Bau befindliche „Innovationsfabrik“ für 30 Millionen Euro. Sie soll 500 zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Und sie ist spitz kalkuliert, wie Wittenstein betont. „Sie rechnet sich nur, wenn daraus in den nächsten Jahren wie geplant Geld zurückfließt.“

In einem optimistischen Szenario mit jährlich 13 Prozent Umsatzwachstum würde Wittenstein nach geltendem Recht in den nächsten zehn Jahren insgesamt 150 Millionen Euro Steuern zahlen. Auf dieser Basis hat man die Gesetzentwürfe der SPD und der Grünen (siehe Hintergrund unten) durchgerechnet.

50 Millionen Euro fehlen im Extremfall für neue Projekte

Wittenstein: „Würden die SPD-Vermögensteuer oder die Grünen-Vermögensabgabe umgesetzt, müssten wir über die zehn Jahre 50 beziehungsweise 30 Millionen Euro mehr an den Staat überweisen – bis zum 1,7-Fachen dessen, was unsere Innovationsfabrik kostet!“

Und wenn sich der Umsatz schlecht entwickelt, so kritisiert Wittenstein, würde die Substanz angegriffen. Zwar versichern Grüne und neuerdings auch SPD, sie wollten in Verlustjahren den Betrieb verschonen. Doch selbst dann bliebe das Vermögen der Anteilseigner im Blick. „Das Unternehmen müsste deren Belastung durch Sonderausschüttungen ausgleichen – und hätte damit weniger zum Investieren.“

Der Unternehmer betont: „Ich will Steuern zahlen, aber so, dass unser Geschäftsmodell noch tragbar ist – die Belastung der Vermögen würde es gefährden.“ Und setzt hinzu: „Ich bin hier verwurzelt, kann nicht einfach weggehen.“

Das Beispiel sei typisch, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbauverbands VDMA: „Die Wiederbelebung der Vermögensteuer, gleich in welcher Form, wäre ein Rückschlag, eine Schwächung der Wirtschaft, insbesondere des Mittelstands.“

Hintergrund

Vermögensteuer: Das wollen SPD und Grüne

  • In den Programmen zur Bundestagswahl wird die Belastung größerer Vermögen nur angerissen. Konkreter sind zwei Gesetzentwürfe:
  • Nach einer Initiative überwiegend SPD-geführter Bundesländer soll auf Vermögen jährlich 1 Prozent Steuern fällig werden.
  • Die Grünen-Bundestagsfraktion fordert eine 15-prozentige „Vermögensabgabe“, zahlbar in zehn Jahresraten. Die Belastung soll höchstens 35 Prozent des nach Zahlung der sonstigen Unternehmensteuern verbleibenden jährlichen „Nettoertrags“ betragen.

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