Obwohl die Tickets erneut teurer werden

Verkehrsbetriebe schlagen Alarm: Es fehlt das Geld für moderne Busse und Bahnen

Köln. Beim Routine-Check kam es ans Licht: Risse an den Achsen der gut 20 Jahre alten Züge vom Typ NF6D. Seitdem zuckeln viele Trams der Bochumer Stadtbahn mit Tempo 30 statt mit 70 durch die Gegend. Der Betreiber Bogestra hat die Schleichfahrt zum Schutz der Fahrgäste angeordnet.

Landauf, landab rumpeln alte Schätzchen über die Gleise. Der betagte Fuhrpark macht zahlreichen Nahverkehrsbetrieben das Leben schwer. Zusätzlich zu dem maroden Schienennetz.

4 Milliarden Euro Investitionsstau

„Wir spüren in vielen Städten einen Qualitätsverlust“, schlägt Jürgen Fenske Alarm. Der kommunale Nahverkehr sei „seit Jahrzehnten sträflich unterfinanziert“, so der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen in Köln. Mittlerweile habe sich ein Investitionsstau von 4 Milliarden Euro angehäuft.

Dabei müsste das Geschäft eigentlich florieren: Mit der Summe von elf Milliarden Fahrgästen verzeichneten Busse und Bahnen im letzten Jahr einen Rekord. Die Ticket-Einnahmen zogen gegenüber 2013 um 3,2 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro an, ebenfalls Höchststand.

Doch mit den Fahrgastzahlen steigen auch die Kosten – für zusätzliche Züge und mehr Personal. An der chronischen Unterfinanzierung wird sich auch nichts ändern, wenn rund um den Jahreswechsel die Tickets erneut teurer werden, im Durchschnitt um 2,4 Prozent.

Obwohl auf städtische Anbieter gut 80 Prozent aller Fahrten entfallen, bekommen sie nur einen Bruchteil der Fördermittel vom Staat: knapp 1 Milliarde Euro. Das Gros (7,4 Milliarden Euro) fließt in Regionalzüge und S-Bahnen. Deren Mittel werden 2016 sogar auf 8 Milliarden Euro erhöht.

Verbandspräsident Fenske fordert auch für den Nahverkehr in den Städten deutlich mehr Unterstützung: Er sei schließlich „eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen“.

Aus eigener Kraft jedenfalls kommen die Betriebe nicht weit. Das zeigt sich etwa in Wuppertal, wo die Stadtwerke 21 ausgemusterte Schwebebahnen feilbieten. Stückpreis: 5.000 Euro.


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