Teleshopping

Verkäufer on Air


Die Fernsehzuschauer bescheren der Tele-Shopping-Branche Milliardenumsätze

Düsseldorf. Noch zehn Sekunden bis zur Sendung. Wertvolle Zeit für den Moderator, um letzte Details mit seinem Studiogast zu besprechen.

Dann sagt der Aufnahmeleiter: „Vier, drei, zwo, eins.“ Er gibt den beiden Männern vor der Kamera ein Handzeichen. Ein Helfer, der gerade noch Designer-Uhren drapiert hat, taucht hinter der Kulisse ab. Das rote Licht geht an.

Die Zentrale des Teleshopping-Senders QVC in Düsseldorf, Studio 2. Es ist Donnerstagabend, Punkt 21 Uhr, Live-Sendung. „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich freue mich aufs Wochenende“, sagt Moderator Sascha Heyna in die großen Kameras.

Vor ihm auf dem Boden stehen zwei Bildschirme. In dem einen sieht Heyna, wie er gerade rüberkommt da draußen in den deutschen Wohnzimmern. In dem anderen sieht er das Produkt, das er – unterstützt von dem Uhrenverkäufer an seiner Seite – unter die Leute bringen will: eine Herrenuhr, besetzt mit 69 Diamanten, 0,7 Karat, braunes Armband aus echtem Rochenleder. Der Preis: 399 Euro.

Live-Sendung macht den Reiz aus

Vom Regisseur, der ein paar Stockwerke höher in diesem Gebäude sitzt, erfährt der Moderator per Knopf im Ohr, ob viele Zuschauer die Uhr gerade kaufen. Darauf muss er sofort reagieren. Er sagt dann Sätze wie: „Unfassbar, meine Damen und Herren, die Leitungen sind voll, die meisten Uhren haben Sie sich schon gegriffen.“

Und die Leute, die hier zugreifen, haben sich nicht zufällig beim Zappen auf die hinteren Ziffern der Fernbedienung verirrt. Der Marktführer QVC erreicht mit seinem Programm 40 Millionen Haushalte in Deutschland und Österreich.

In der Branche zählt aber nicht die Einschaltquote, sondern der Umsatz. 1,5 Milliarden Euro waren es 2011 bei den deutschen Verkaufssendern.

Wie kann das sein, wo sich doch alles bequem im Internet bestellen lässt? Was macht den Reiz am Einkaufsbummel im Fernsehsessel aus?

Mathias Birkel von der Unternehmensberatung Goldmedia beobachtet den Markt intensiv. „Beim Teleshopping ist die Live-Ausstrahlung enorm wichtig und hat extrem großen Einfluss auf die Kundenbindung.“ Das Publikum habe den Eindruck, jederzeit mit den Verkäufern in Kontakt treten zu können.

Und so wird bei QVC verkauft: Wenn ein Zuschauer ein Produkt sieht, das er ergattern möchte, ruft er die gebührenfreie Nummer an, die permanent auf dem Bildschirm eingeblendet wird. Ein Call-Center-Mitarbeiter nimmt den Anruf entgegen. Die Bestellung wird automatisch an das Distributionszentrum in Hückelhoven (NRW) weitergeleitet. Von dort erfolgt der Versand an den Kunden.

700 Stunden im Jahr vor der Kamera

Das Konzept Teleshopping gibt es in Deutschland seit 1996. Moderator Heyna ist seit 2001 dabei. „Bevor ich hierher kam, habe ich das Format ein wenig belächelt. Viele tun das ja heute auch noch“, erzählt Heyna. Als sich der ausgebildete Journalist dann als Moderator bewarb, war er sicher, den Job nicht länger als ein Jahr lang zu machen.

Doch es kam anders. „So wie es aussieht, bleibe ich bis zur Rente“, sagt der 36-Jährige mit seiner Dauer-Fröhlichkeit, die er vor der Kamera sowieso nicht ablegt, aber auch nicht, wenn die Scheinwerfer ausgeschaltet sind.

Denn die Arbeit hier ist genau sein Ding, „obwohl es ein Knochenjob ist“. 700 Stunden im Jahr „on air“. Immer freundlich, immer überzeugend. Natürlich gefallen ihm nicht alle 18.000 Produkte, die sein Arbeitgeber zurzeit im Sortiment hat. „Dann sage ich zum Beispiel in der Sendung: Das trifft jetzt nicht ganz meinen Geschmack, aber ich bin ja schließlich nicht der Maßstab.“

Sätze wie dieser machen die Auftritte des gebürtigen Bayern so authentisch. Die Zuschauer können sich mit ihm identifizieren. Heyna, Wahl-Kölner und Hobby-Schlagersänger, hat eine große Fangemeinde bei Facebook. Auf den Schreibtischen der Zuschauer-Redaktion landen monatlich Hunderte von Autogrammwünschen.

Was sind das für Leute, die via Fernsehen fröhlich Bettwäsche, Kosmetikserien, Staubsauger, Handtaschen, Schmuck und Nahrungsergänzungsprodukte ordern? Laut einer aktuellen Studie von Goldmedia ist der durchschnittliche Teleshopping-Kunde in Deutschland 52 Jahre alt. Zwei Drittel sind weiblich.

Branchen-Experte Birkel: „Die Gründe dafür dürften in der allgemein höheren Shopping-Affinität der Frauen liegen, zum anderen aber auch im Sortiment der meisten Teleshopping-Anbieter, die vor allem das weibliche Klientel bedienen.“

Moderator Heyna trifft seine Fans auch persönlich. Er plaudert mit ihnen auf Messen, oder er führt sie durch die Studios am Düsseldorfer Medienhafen.


Info: Einkaufsfernsehen

Der Tele-Shopping-Markt wird von den vier Sendern QVC, HSE24, 1-2-3.tv und Channel21 bestimmt. QVC ist der Marktführer, das Kürzel steht für „Quality, Value, Convenience“, also Qualität, Wert, Bequemlichkeit. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf hat im vergangenen Jahr 770 Millionen Euro umgesetzt und 400 neue Arbeitsplätze geschaffen. 3.900 Mitarbeiter beschäftigt es insgesamt, davon 1.700 in den Call-Centern.

 

Die Fernsehzuschauer bescheren der Tele-Shopping-Branche Milliardenumsätze

Düsseldorf. Noch zehn Sekunden bis zur Sendung. Wertvolle Zeit für den Moderator, um letzte Details mit seinem Studiogast zu besprechen.

Dann sagt der Aufnahmeleiter: „Vier, drei, zwo, eins.“ Er gibt den beiden Männern vor der Kamera ein Handzeichen. Ein Helfer, der gerade noch Designer-Uhren drapiert hat, taucht hinter der Kulisse ab. Das rote Licht geht an.

Die Zentrale des Teleshopping-Senders QVC in Düsseldorf, Studio 2. Es ist Donnerstagabend, Punkt 21 Uhr, Live-Sendung. „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich freue mich aufs Wochenende“, sagt Moderator Sascha Heyna in die großen Kameras.

Vor ihm auf dem Boden stehen zwei Bildschirme. In dem einen sieht Heyna, wie er gerade rüberkommt da draußen in den deutschen Wohnzimmern. In dem anderen sieht er das Produkt, das er – unterstützt von dem Uhrenverkäufer an seiner Seite – unter die Leute bringen will: eine Herrenuhr, besetzt mit 69 Diamanten, 0,7 Karat, braunes Armband aus echtem Rochenleder. Der Preis: 399 Euro.

Live-Sendung macht den Reiz aus

Vom Regisseur, der ein paar Stockwerke höher in diesem Gebäude sitzt, erfährt der Moderator per Knopf im Ohr, ob viele Zuschauer die Uhr gerade kaufen. Darauf muss er sofort reagieren. Er sagt dann Sätze wie: „Unfassbar, meine Damen und Herren, die Leitungen sind voll, die meisten Uhren haben Sie sich schon gegriffen.“

Und die Leute, die hier zugreifen, haben sich nicht zufällig beim Zappen auf die hinteren Ziffern der Fernbedienung verirrt. Der Marktführer QVC erreicht mit seinem Programm 40 Millionen Haushalte in Deutschland und Österreich.

In der Branche zählt aber nicht die Einschaltquote, sondern der Umsatz. 1,5 Milliarden Euro waren es 2011 bei den deutschen Verkaufssendern.

Wie kann das sein, wo sich doch alles bequem im Internet bestellen lässt? Was macht den Reiz am Einkaufsbummel im Fernsehsessel aus?

Mathias Birkel von der Unternehmensberatung Goldmedia beobachtet den Markt intensiv. „Beim Teleshopping ist die Live-Ausstrahlung enorm wichtig und hat extrem großen Einfluss auf die Kundenbindung.“ Das Publikum habe den Eindruck, jederzeit mit den Verkäufern in Kontakt treten zu können.

Und so wird bei QVC verkauft: Wenn ein Zuschauer ein Produkt sieht, das er ergattern möchte, ruft er die gebührenfreie Nummer an, die permanent auf dem Bildschirm eingeblendet wird. Ein Call-Center-Mitarbeiter nimmt den Anruf entgegen. Die Bestellung wird automatisch an das Distributionszentrum in Hückelhoven (NRW) weitergeleitet. Von dort erfolgt der Versand an den Kunden.

700 Stunden im Jahr vor der Kamera

Das Konzept Teleshopping gibt es in Deutschland seit 1996. Moderator Heyna ist seit 2001 dabei. „Bevor ich hierher kam, habe ich das Format ein wenig belächelt. Viele tun das ja heute auch noch“, erzählt Heyna. Als sich der ausgebildete Journalist dann als Moderator bewarb, war er sicher, den Job nicht länger als ein Jahr lang zu machen.

Doch es kam anders. „So wie es aussieht, bleibe ich bis zur Rente“, sagt der 36-Jährige mit seiner Dauer-Fröhlichkeit, die er vor der Kamera sowieso nicht ablegt, aber auch nicht, wenn die Scheinwerfer ausgeschaltet sind.

Denn die Arbeit hier ist genau sein Ding, „obwohl es ein Knochenjob ist“. 700 Stunden im Jahr „on air“. Immer freundlich, immer überzeugend. Natürlich gefallen ihm nicht alle 18.000 Produkte, die sein Arbeitgeber zurzeit im Sortiment hat. „Dann sage ich zum Beispiel in der Sendung: Das trifft jetzt nicht ganz meinen Geschmack, aber ich bin ja schließlich nicht der Maßstab.“

Sätze wie dieser machen die Auftritte des gebürtigen Bayern so authentisch. Die Zuschauer können sich mit ihm identifizieren. Heyna, Wahl-Kölner und Hobby-Schlagersänger, hat eine große Fangemeinde bei Facebook. Auf den Schreibtischen der Zuschauer-Redaktion landen monatlich Hunderte von Autogrammwünschen.

Was sind das für Leute, die via Fernsehen fröhlich Bettwäsche, Kosmetikserien, Staubsauger, Handtaschen, Schmuck und Nahrungsergänzungsprodukte ordern? Laut einer aktuellen Studie von Goldmedia ist der durchschnittliche Teleshopping-Kunde in Deutschland 52 Jahre alt. Zwei Drittel sind weiblich.

Branchen-Experte Birkel: „Die Gründe dafür dürften in der allgemein höheren Shopping-Affinität der Frauen liegen, zum anderen aber auch im Sortiment der meisten Teleshopping-Anbieter, die vor allem das weibliche Klientel bedienen.“

Moderator Heyna trifft seine Fans auch persönlich. Er plaudert mit ihnen auf Messen, oder er führt sie durch die Studios am Düsseldorfer Medienhafen.


Info: Einkaufsfernsehen

Der Tele-Shopping-Markt wird von den vier Sendern QVC, HSE24, 1-2-3.tv und Channel21 bestimmt. QVC ist der Marktführer, das Kürzel steht für „Quality, Value, Convenience“, also Qualität, Wert, Bequemlichkeit. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf hat im vergangenen Jahr 770 Millionen Euro umgesetzt und 400 neue Arbeitsplätze geschaffen. 3.900 Mitarbeiter beschäftigt es insgesamt, davon 1.700 in den Call-Centern.

 

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