Lohn-Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau

Verdienst-Unterschiede: Ministerin Schwesig packt ein Thema an, das eigentlich keins ist

Unterschiedlich bezahlt: Die Fußball-Kapitäne Nadine Angerer und Bastian Schweinsteiger. Fotos: Getty

Berlin/Hamburg. Bastian Schweinsteiger und Nadine Angerer haben den gleichen Job: Er treibt als Kapitän der deutschen Fußball-Elf seine Jungs nach vorn, sie ist Chefin der Kickerinnen. Doch weil es im Frauenfußball viel weniger Fans und Sponsoren gibt, verdient sie entsprechend weniger als er.

Was auf dem Platz kein Problem ist, macht Familienministerin Manuela Schwesig nun zum Thema: Sie hat angekündigt, die Lohn-Lücke zwischen Männern und Frauen in den Betrieben schließen zu wollen. Erste Details dieses Vorhabens werden jetzt konkret. So sollen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern künftig Auskunft zur sogenannten Entgeltgleichheit geben. Anhand eines offiziellen Lageberichts bekommen die Arbeitnehmer einen individuellen Auskunftsanspruch.

„Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen“, stellt die Ministerin klar, „aber es wird möglich sein, zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist.“

Im Falle von „erwiesener Entgeltdiskriminierung“ wird das Unternehmen nach Schwesigs Plänen dafür sorgen müssen, dass die Lücke geschlossen wird. Doch wie groß ist sie eigentlich?

Auf den ersten Blick ist sie enorm: 22 Prozent Unterschied beim durchschnittlichen Brutto pro Stunde hat das Statistische Bundesamt laut den jüngsten Zahlen für 2013 ermittelt. Doch schon allein weil sich Frauen tendenziell schlechter bezahlte Berufe aussuchen, weniger Stunden arbeiten und seltener Führungspositionen bekleiden, schrumpft die Spanne auf 7 Prozent.

Diesen Gehaltsunterschied will Schwesig einebnen. Begründung: Frauen würden per Lohnzettel diskriminiert. Wirtschaftswissenschaftler sehen das anders. „Von Diskriminierung kann keine Rede sein“, stellt Christina Boll fest, Forschungsdirektorin am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Sie hat noch genauer gerechnet und kommt auf eine Lücke von 2,3 Prozent. Ihre Statistik berücksichtigt unter anderem auch, wie lange eine Frau Babypause macht und mit wie vielen Stunden sie wieder einsteigt.

Kleine Lücke, große Wirkung: Alarmiert durch den zusätzlichen Verwaltungsaufwand wegen des neuen Mindestlohn-Gesetzes warnt die Wirtschaft vor noch mehr Belastungen für die Betriebe.

„Mit zusätzlicher Bürokratie“, so Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, „kann man keine gesellschaftlichen Veränderungen herbeiführen.“ Die Lösung seien stattdessen mehr Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie – wie Kitas und Ganztagsschulen.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang