Konjunktur

Verblüffend: Deutsche kaufen wieder mehr


Von wegen leere Taschen – jetzt kommt der Konsum in Fahrt

Wiesbaden/Kiel. Wie geht es weiter mit der Wirtschaft? Als sich jetzt die führenden Zentralbank-Chefs aus aller Welt zu ihrem Jahrestreffen in den Rocky Mountains versammelten, hatte der Deutsche eine überraschende Botschaft im Gepäck.

Unser zuletzt rekordverdächtig hohes Wachstum, sagte Bundesbank-Präsident Professor Axel Weber, „ist nicht nur dem Export zu verdanken, sondern mehr noch der Binnenwirtschaft – der Konsum ist auf Touren gekommen.“

Doch kein Abwärtssog

Wie kann das angehen? Noch  im  Februar hat das Nürnberger Markt­forschungsinstitut GfK dem Einzelhandel ein „schwieriges Jahr“ vorausgesagt. Angesichts der krisen­bedingt zurückhaltenden Tarifabschlüsse befürchteten manche gar einen Ab­wärtssog: Ta­schen leer – nix geht mehr!

Nur mit kräftigen Lohnzuwächsen, so der Gedanke, könne sich die deutsche Wirtschaft aus dem Sumpf der Rezession ziehen. Löhne seien nicht nur Kostenfaktoren, befand etwa Frank Bsirske, der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: „Sie müssen vielmehr als ein Schlüsselinstrument in den Blick genommen werden, um die Nachfrage anzukurbeln und damit nachhaltiges Wachstum zu erzeugen.“

Doch nun ist die Nachfrage der privaten Haushalte auch so in Gang gekommen, ohne den ganz großen Schluck aus der Lohnpulle.

Schub vom Arbeitsmarkt

Schon im zweiten Viertel dieses Jahres, das gab dieser Tage das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt, sind die Konsum-Ausgaben so stark gestiegen wie zuletzt kurz vor Beginn der Krise.

„Das starke Plus hat mich selbst überrascht“, gesteht Professor Joachim Scheide, Konjunktur-Experte am Ins­titut für Weltwirtschaft in Kiel. Angesichts der neuen Zahlen macht er eine Trendwende aus: „Wir rechnen damit, dass der Konsum in den kommenden Quartalen weiter nennenswert steigt.“ Scheide begründet seine Zuversicht vor allem mit dem robusten Arbeitsmarkt.

Die Kurzarbeit ist vielerorts vorbei. Die Zahl der Jobsucher ist im August weiter gesunken – sie liegt jetzt mit 3,2 Millionen um 280.000 niedriger als vor einem Jahr. Und die Beschäftigung nähert sich mit 40,3 Millionen Menschen schon ihrem historischen Höchststand. All das wäre bei weniger Lohnzurückhaltung wohl kaum so gut gelaufen.

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