Gewerkschaft

Vassiliadis übernimmt das Steuer bei der IG BCE


Symbolische Übergabe: Michael Vassiliadis (links) löst Hubertus Schmoldt an der Spitze der IG BCE ab. Erstes Ziel des Neuen: Die Jobs sichern helfen. Foto: dpa, Archiv

Der "Neue": Woher er kommt, was er drauf hat, was er will

Wechsel in schwieriger Zeit: Die deutsche Wirtschaft steckt im tiefsten Tal der Nachkriegsgeschichte, da ergreift bei der Chemie-Gewerkschaft ein neuer Vorsitzender das Steuer. Michael Vassiliadis (45) folgt der langjährigen Nummer eins Hubertus Schmoldt (64).

Der neue IG BCE-Chef ist kaum gewählt, da nimmt er vor den 350 Delegierten auf dem Gewerkschafts-Kongress in Hannover schon Kurs auf: Arbeitslosigkeit bekämp­fen, Entlassungen verhindern, Mitbestimmung und Kündigungsschutz nicht an­tasten, schreibt Vassiliadis per Grundsatzrede der schwarz-gelben Re­gierung ins Stammbuch. Krisenbewältigung sei jetzt erste Pflicht. „Die Menschen erwarten da­rin Kontinuität.“ Und pragmatische Lösungen.

„Wir sind an der Sache orientiert“

Der Wechsel an der Spitze liegt da erst Stunden zurück. Mit 97 Prozent der Stimmen hatten die Delegierten ihren neuen Frontmann gewählt, ehe Vorgänger Schmoldt für den symbolischen Moment sorgte. Er übergab dem neuen Chef das Steuerrad: Nun führt  Vassiliadis, Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter, die drittgrößte Ge­werkschaft, die IG BCE. Er ist zugleich der jüngste Gewerkschafts-Vorsitzende.

Der neue Chef will am pragmatischen Kurs der IG BCE festhalten, etwa gegenüber der Regierung. „Wir sind an der Sache orientiert, wir bleiben ein verlässlicher Partner“, versichert er. Bundeskanzlerin An­gela Merkel bedankt sich mit einer Stippvisite beim Kongress, bekennt sich zur Mitbestimmung sowie zum Dialog mit der IG BCE: „Ihnen stehen die Türen offen.“

Vassiliadis knüpft da an, wo sein Vorgänger Hubertus Schmoldt nach 14 Jahren an der Spitze der Chemie-Gewerkschaft aufgehört hat. Auch bei der Sozialpartnerschaft: „Die stellen wir nicht infrage“, sagt der „Neue“. „Sie hat sich in der Wirtschaftskrise bewährt.“ Die allermeisten Firmen gehen verantwortlich mit der Situation um, findet er. In der Chemie helfen dabei auch die Öffnungsklauseln des Tarifvertrags.

Doch die Krise muss Konsequenzen haben, fordert Vas-siliadis. Die Schlussfolgerungen möchte er gemeinsam mit den Arbeitgebern ziehen. Etwa in der Debatte über mehr Ethik in der Wirtschaft, die Gewerkschafter und Führungskräfte von Chemiefirmen seit 2007 im „Zentrum für Globale Ethik“ in Wittenberg führen. Das Ziel dabei: gemeinsame Regeln für ein „Fair Play“ in der Branche.

Er weiß, was die Kollegen bewegt

Mit Managern reden – Vassiliadis kann das. Er hat Rhetorik-Kurse und Management-Seminare besucht. Er sitzt in den Aufsichtsräten von fünf Unternehmen. Er kennt die Herausforderungen an die Branche auch aus der Chef-Sicht. Ebenso weiß er, was die Kollegen an den Anlagen bewegt: sichere Jobs und gute Arbeit. Vassiliadis Vater war Schichtarbeiter beim Bayer-Konzern. Er selbst machte bei Bayer in Dormagen eine Lehre als Chemielaborant, bevor er 1986 zur Gewerkschaft ging und Schmoldt ihn 1997 in die Zentrale holte.

„Industrie schafft Jobs und Wohlstand“, heißt für Vassiliadis deshalb die Erfolgsformel für den Standort „D“. „Wir müssen dafür sorgen, dass das so  bleibt.“ Der IG BCE-Chef fordert von der Politik daher eine nationale Industrie-Strategie. Um Kräfte zu bündeln und Ziele zu benennen. „Wir brauchen auch mehr Akzeptanz für neue Technologien wie Gen- und Nanotechnik. Sonst verstopfen wir unsere Zu­kunftsoptionen.“

Anpacken will der IG BCE-Chef auch Energie- und Klimapolitik – und die Nachwuchswerbung für die Gewerkschaft. Er hat sich einiges vorgenommen. Für das Hobby Gitarre dürfte in Zukunft kaum Zeit bleiben.

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