RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Verhältnis kühlt sich ab

US-Präsident Trump versetzt die EU in Aufregung – das schadet der Konjunktur

Der Streit zwischen Europa und den USA verunsichert die Wirtschaft. Experten erwarten eine schlechtere Konjunktur. Forschungsinstitute senken ihre Wachstumsprognosen. Ein Bericht über die Auswirkungen des Handelsstreits.

Treffen in Washington: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump. Foto: dpa

Treffen in Washington: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump. Foto: dpa

Paris / München / Mannheim. Der Handelskrieg zwischen der EU und den USA schien abgewendet: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump einigten sich Ende Juli auf einen „Deal“, um die gefährliche Spirale von Zöllen und Gegenzöllen zu stoppen. Im Herbst soll ausgelotet werden, ob sich Handelsschranken für Industrieprodukte abbauen lassen.

Alle Auto-Zölle abschaffen? „Nicht gut genug“ für Trump

Aber nun das! Ein neues Angebot der Europäischen Union, alle gegenseitigen Auto-Zölle auf null zu senken, nennt Trump „nicht gut genug“. Und er fügt gleich hinzu: „Die EU ist fast so schlimm wie China, nur kleiner“ (auch mit China liegen die USA in Sachen Außenhandel ja mächtig über Kreuz).

Damit stehen wieder US-Zölle bis zu 25 (!) Prozent auf deutsche Autos im Raum. Das Bundeswirtschaftsministerium hat schon mal ausgerechnet, was das kosten dürfte. „Der negative Effekt in Deutschland“ würde demnach eine „Größenordnung von fünf bis sieben Milliarden“ erreichen – pro Jahr.

Derweil ist immer noch völlig unklar, welche Regeln zwischen der EU und England nach dem Brexit gelten: Teure Handelsschranken sind nicht ausgeschlossen.

Das alles drückt mächtig auf die Stimmung. Die Industriestaaten-Organisation OECD geht inzwischen von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in der gesamten Eurozone aus. Auch für Deutschland prognostiziert die OECD nachlassende Dynamik.

Experten erwarten weniger Wachstum

Der Exportklima-Index des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo ist im Juli auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gesunken. Die regelmäßige Umfrage des Mannheimer ZEW-Instituts unter rund 350 Finanzmarktexperten zeigt ein ähnliches Bild.


Und die deutschen Ökonomen insgesamt haben ihre Konjunkturprognosen deutlich runtergeschraubt. Das zeigt besonders gut der „Consensus Forecast“, das ist die durchschnittliche Einschätzung von zwei Dutzend Instituten, Banken und Versicherungen: Vor drei Monaten lag das für Deutschland 2018 erwartete reale Plus noch bei 2,3 Prozent – im August rechnete man nur noch mit 2,0 Prozent. 2019 dürfte das Wachstum laut Consensus-Prognose mit 1,7 Prozent noch geringer ausfallen.

Übrigens: Die Teuerung in Deutschland ist schon seit Juni wieder auf dem Rückzug. Als Inflationsrate für das gesamte Jahr 2018 erwarten die Ökonomen im Consensus-Schnitt 1,9 Prozent. Der gleiche Wert wird auch fürs Jahr 2019 prognostiziert.

Mehr zum Thema:

Deutschlands Betriebe exportieren jede Menge – viel mehr, als sie importieren. Ist das irgendwie unfair, wie etwa US-Präsident Trump glaubt? Und was ist eigentlich der Grund für das große Plus im Außenhandel?

Schluss mit dem Atomabkommen und härteste Sanktionen gegen den Iran – das will US-Präsident Donald Trump. Und zwar auch für Firmen und Banken anderer Länder. Deutsche Unternehmen bringt das in ein Dilemma. Trotz eines Abwehrgesetzes der EU.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang