Im Schatten von „Loddar “

Unternehmer: Jeder B-Promi kriegt mehr Aufmerksamkeit

Herausgeber Ulrich Brodersen

Welche Art von Themen öffentlich behandelt werden – auch das ist ein Gradmesser für die Vitalität eines Gemeinwesens. Und da müssen uns Bedenken kommen: Die Aufmerksamkeit für Sachverhalte, die auf unser Leben null Einfluss haben, ist oft größer als der für bedeutsame Entwicklungen.

Ein Beispiel: Während ein wohlhabendes, aber ansonsten eher armseliges Geschöpf wie Lothar („Loddar“) Matthäus kürzlich Mittelpunkt einer sechsteiligen Fernsehserie wurde, was zusätzlich den Blätterwald rauschen ließ, war es nur Randnotiz, dass die Zahl der Firmengründungen dieses Jahr einen Tiefpunkt erreicht. Dabei gehört Unternehmergeist ja zu den wichtigsten Ressourcen unseres rohstoffarmen Landes.

Sinnieren wir also nicht mit dem ehemaligen Fußballstar darüber, warum es in Deutschland noch kein „Lothar-Matthäus-Stadion“ gibt (ein Indiz für mentale Verflachung, wie er im „Spiegel“ durchblicken ließ). Sondern konstatieren wir eine extreme Diskrepanz: Unternehmensgründer sind einerseits dringend notwendig (schließlich entstehen neue Arbeitsplätze vor allem in jungen und kleineren Betrieben) – doch sie stehen andererseits vor hohen Hürden und überzogenen Erwartungen bei nicht allzu gutem Image.

  • Hürden: Gründer tun sich hierzulande schwer, an Kapital zu kommen, sie stehen vor einem enormen bürokratischen Aufwand und einem komplizierten Steuerrecht. Auch später geriert sich der Staat eher als Fordernder denn als Förderer. So ist die Mehrwertsteuer direkt bei Rechnungsstellung abzuführen statt bei Geldeingang – das ist schlecht für die Liquidität. Nicht zuletzt bei Rechnungen an staatliche Stellen, die zumeist erst nach Monaten zahlen.
  • Erwartungen: Unternehmer sollen hochwertige Leistungen anbieten, Jobs dauerhaft und lukrativ gestalten, Ausgebildete unbefristet übernehmen und bei allem bitte hübsch wettbewerbsfähig bleiben.
  • Image: Unternehmer gelten als etwas anrüchig, denn sie machen entweder Gewinn oder Verlust. Beides kommt nicht wirklich gut. Erst recht nicht, wenn es Wohlstand bringt oder in die Pleite führt. Negative Einzelfälle werden hochgepusht und verallgemeinert. Und in fiktiven Welten wie etwa den Tatort-Krimis sind Unternehmer durchweg steinreich und skrupellos.

So nimmt es nicht Wunder, dass nur jeder dritte Gründer das Motiv hat, unternehmerische Freiheit der Angestelltensicherheit vorzuziehen. Alarmierend: Für die Mehrzahl ist die Gründung nur Alternative zur Arbeitslosigkeit.


Artikelfunktionen


'' Zum Anfang