Logistik-Probleme am Standort D

Unternehmen klagen über schleppende Genehmigungen für Schwertransporte – was ist da los?

Viele Schwertransporte stehen im Genehmigungsstau. Denn derzeit dauert es oft mehr als doppelt so lange, bis eine XXL-Fuhre von den Behörden grünes Licht bekommt. Warum hakt es? Und was sind die Folgen?

Ganz schön fett: Schwertransporte müssen wegen maroder Brücken häufig Umwege fahren. Foto: Fotolia

Ganz schön fett: Schwertransporte müssen wegen maroder Brücken häufig Umwege fahren. Foto: Fotolia

Frankfurt/Siegen. Ob gigantische Maschinen, sperrige Windräder oder das Riesenrad für die Kirmes: Sie alle treten ihre Reise mit bis zu 600 Tonnen auf XXL-Brummis an. Rund 320.000 solcher Fuhren waren laut Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK) letztes Jahr in Deutschland unterwegs. Tendenz steigend.

Wolfgang Draaf müsste das eigentlich freuen. Doch der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands ist genervt. Das liegt an den derzeit extrem langen Genehmigungsfristen für die Transporte: „Bearbeitungszeiten von über fünf Wochen sind an der Tagesordnung, mehr als doppelt so lang wie sonst üblich.“

Das sorge häufig für ungeplante Verzögerungen. Draaf: „Dabei brauchen die Unternehmen aus Industrie und Transportgewerbe Planungssicherheit.“ Sie müssen schließlich ihre Fristen einhalten – und wenn dies nicht gelinge, drohten Vertragsstrafen. Ein Grund für den Genehmigungsstau sind die in diesem Jahr um ein Drittel gestiegenen Anträge – zum einen wegen der guten Bau-Konjunktur (schwere Betonfertigteile etwa für neue Brücken), zum anderen wegen der Energiewende (Stichwort Rotorblätter).

Dass es jetzt in den Behörden hakt, liegt aber auch an Bürokratie. Transporte mit ähnlichen Fahrzeugen sollten in einem Rutsch genehmigt werden, also etwa Lkws mit fünf- oder sechsachsigen Aufliegern. Zudem kritisiert Draaf Planungspannen der öffentlichen Hand. „Auf zwei parallelen Autobahnen gleichzeitig bauen, geht nicht. Dadurch entfallen Umleitungsrouten für Tage oder gar Wochen.“

Er fordert, die Bearbeitungszeiten im Schnitt auf fünf Tage zu verringern. Dafür sei es allerdings nötig, dass die Länder, in deren Zuständigkeit die Genehmigungen fallen, das Fachpersonal aufstocken und besser schulen.

Ein weiteres Problem: Fette Frachten dürfen viele Autobahnen wegen maroder Brücken nicht benutzen. Umleitungsstrecken müssen ausgetüftelt werden, bei den zahlreichen Baustellen auf unseren Straßen macht das die Arbeit der Genehmigungsbehörden nicht leichter.

Davon kann der Unternehmer Arno Dienenthal im westfälischen Siegen ein Lied singen. Seine Firma baut Schmiedemanipulatoren, die mit Greifzangen glühende Stahlblöcke bewegen. Die Auslieferung zu organisieren, sei zuletzt immer schwieriger geworden. Das liegt unter anderem an der für Riesenbrummis gesperrten Nord-Süd-Autobahn A 45, die an Siegen vorbeiführt.

Dienenthal: „Früher planten wir vier bis fünf Tage Fahrt zum Hamburger Hafen ein. Heute müssen wir mindestens zwei Wochen kalkulieren.“ Trotzdem wisse man nie, ob alles gut gehe.

Deshalb atmet Dienenthal erst einmal durch, wenn wieder mal ein Manipulator vom Hof ist.


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