Globalisierung

Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie sind auf den internationalen Märkten erfolgreich


München/Waldaschaff/Wiggensbach. Wie Knorr-Bremse in München geht es vielen Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie: In Europa dümpelt ihr Geschäft vor sich hin, in Asien und Amerika läuft’s ganz gut. „Wegen der Euro-Krise bleibt Europa geschwächt“, stellt Lorenz Zwingmann fest, der Vorstandssprecher von Knorr-Bremse.

Der Weltmarktführer für Bremssysteme von Schienen- und Nutzfahrzeugen erwartet in diesem Jahr lediglich einen stabilen Umsatz in Europa. In Brasilien rechnet Knorr-Bremse dagegen mit einem Plus von 3,5 Prozent, in Asien sogar mit mehr als 7 Prozent.

20 Prozent der Ausfuhr gehen in die BRIICS-Staaten

Es lohnt sich also, Chancen in der Ferne anzupacken. Und Bayerns Betriebe machen das auch. Schon ein Fünftel ihres Exports geht in die wachstumsstarken BRIICS-Staaten – doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

BRIICS steht für Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika. In diesen Ländern bauen die Unternehmen auch Werke oder produzieren schon länger – wie Knorr-Bremse. Der Konzern mit gut 19.000 Mitarbeitern, davon knapp ein Fünftel in Deutschland, investiert von 2011 bis 2014 insgesamt mehr als eine viertel Milliarde Euro in den Ausbau der Fertigung in den Wachstumsmärkten.

So werden heuer unter anderem zwei neue Werke in Indien eröffnet und eines in Brasilien. In Indien zudem ein Entwicklungszentrum. Kostet das nicht heimische Jobs, wenn anderswo sogar auch geforscht wird?
Vorstandssprecher Zwingmann winkt ab: „Die komplexen Systeme werden nach wie vor in München entwickelt.“ Ohne die Aufgaben, die künftig in Indien erledigt werden, bleibt mehr Zeit für das besonders Anspruchsvolle. „Hier haben wir die richtigen Fachkräfte für unsere Innovationskraft.“

Werke im Ausland und gleichzeitig Stellen in Bayern sichern: Dass dieses Konzept funktioniert, beweist auch der Autozulieferer Swoboda in Wiggensbach (Allgäu). Das Familienunternehmen ist spezialisiert auf Verbundteile aus Kunststoff und Metall für die Auto-Elektronik.

„Unsere deutschen Standorte bleiben Treiber von Forschung und Konstruktion“, betont Geschäftsführer Clemens Bauernfeind. In Bayern wird auch nach wie vor produziert: Gut die Hälfte der weltweit 1.400 Mitarbeiter ist im Inland beschäftigt. In Wiggensbach hat Swoboda kürzlich mehrere Millionen Euro in eine neue Produktionshalle investiert.

„Als Zulieferer folgen wir aber auch unseren Kunden in die Auslandsmärkte“, erklärt Bauernfeind. In Kunshan, einem Vorort von Schanghai, startet Swoboda gerade den Probebetrieb seiner neuen Fabrik für Gehäuse von Getriebe-Steuerungen und Sensoren. Die Technik für die Fertigung wird jedoch in Bayern entwickelt.

Auch der Leichtbau-Spezialist Waldaschaff Automotive in Unterfranken hat den Sprung in die wachstumsstarke Ferne gewagt. Einfache Stanzteile produziert die Firma bereits im Norden Chinas. Folgen sollen Systeme für Crash-Management – Metallträger, die Autofahrer bei einem Aufprall schützen.

Präzision und Innovation sind für Geschäftsführer Helge Bender entscheidend, damit viele Jobs in Bayern bleiben. Am Stammsitz beschäftigt der Autozulieferer rund 450 Mitarbeiter, davon 80 im Engineering und Maschinenbau. Sie entwickeln hybride Fügeverfahren, um Leichtbau-Materialien wie Aluminium, Magnesium und faserverstärkte Kunststoffe stabil zu verbinden.

„Wir brauchen in Deutschland eine maßvolle Entwicklung der Löhne“

Doch solche Ideen allein genügen nicht. Auch die Rahmenbedingungen müssen hierzulande stimmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Dazu gehören eine maßvolle Lohnentwicklung und die Begrenzung der Energiekosten“, so Bender.

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