Interview

„Unsere Branche wird unter Wert gehandelt“


Konzentriert, energisch, überzeugend: Heinz Horn beim <em>AKTIV</em>-Interview. Fotos: Eppler

Textil und Mode: Heinz Horn will Aufklärungsarbeit leisten

Der Gesamtverband textil+mode hat seit Juli einen neuen Präsidenten: Heinz Horn, früher Geschäftsführer beim Dessous-Hersteller Felina. Er hat sich viel vorgenommen.

AKTIV: Die ersten 100 Tage an der Spitze der Branche haben Sie fast hinter sich. Wie viel Zeit stecken Sie in dieses Ehrenamt?

Horn: Etwa drei Tage pro Woche – und es macht mir wahnsinnig viel Spaß. Repräsentationspflichten sind mir nicht lästig, ich bin ein Vertriebsmann und hab Menschen gern. Im Moment bin ich viel unterwegs, von Redaktion zu Redaktion: Gerade war ich beim „Handelsblatt“.

AKTIV: Warum?

Horn: Um Aufklärungsarbeit zu leisten! Unsere Branche wird im öffentlichen Bild unter Wert gehandelt. Denken Sie an das Klischee von der Kinderarbeit beim Teppichknüpfen. Ich habe mir vorgenommen, dieses Bild mittelfristig zu aktualisieren und zu verbessern.

AKTIV: Der brutale Strukturwandel hat natürlich das Image ziemlich beschädigt ...

Horn: Das Bild der sterbenden Zunft ist blanker Unsinn. Textil und Mode, das ist eine fantastische, zukunfts-orientierte Branche mit rund 130.000 Mitarbeitern allein in Deutschland. Aber ich weiß, dass leider nichts schwieriger und langwieriger ist als eine Image-Veränderung.

AKTIV: Keine Zukunft ohne Innovationen. Wie sieht es da aus?

Horn: In der Forschung sind wir Weltspitze. Was sich bei den Technischen Textilien tut, also Produkten für die Auto-Hersteller, die Luftfahrt, die Medizin und so fort, das ist sensationell – aber das weiß niemand! Ältere Bauingenieure kennen eben keine textilarmierten Betonbrücken. Es ist daher auch Aufgabe eines Verbandes, die Praktiker zu überzeugen.

AKTIV: Müssen da nicht auch die Firmen selbst mehr auf die Pauke hauen?

Horn: Die Bekleider sind es gewohnt, sich zu inszenieren. Textiler sind da noch ziemlich wortlos, sind das Spiel noch nicht so gewohnt. Wir müssen aber spannende Geschichten erzählen.

AKTIV: Sonst geht Ihnen womöglich bald das Personal aus.

Horn: Ja. Fachkräftemangel ist eine echte Bedrohung für die Betriebe. Daher müssen Schulabgänger uns als Zukunftsbranche sehen, die hochinteressante und sichere Arbeitsplätze bieten kann. Dafür läuft ja seit einem Jahr www.go-textile.de – unsere Azubi-Kampagne im Internet.

AKTIV: Die Belegschaften werden trotzdem altern. Viele fragen sich: Wie kann ich meinen Job bis zur Rente mit 67 schafffen?

Horn: Die Betriebe werden daran arbeiten, dass es zu schaffen ist. Schon im eigenen Interesse. Wir diskutieren übrigens genau darüber auf unserer großen Bildungstagung Ende des Monats in Berlin.

AKTIV: Welche Botschaft haben Sie noch für die Mitarbeiter?

Horn: Wenn wir hochwertig und dadurch hochpreisig sind, müssen wir Höchstleistungen bieten – vom Maschinenführer bis zum Designer.

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