Soziales Engagement

Unicef wieder auf Erfolgskurs


Packen gemeinsam an: Jürgen Heraeus und Regine Stachelhaus konnten die Spenden-Einnahmen und die Zahl der Fördermitglieder bei Unicef steigern. Foto: epd

Ein Unternehmer und eine Top-Managerin meisterten die Spenden-Krise des UN-Kinderhilfswerkes

Köln. Das ramponierte Image ist aufpoliert beim UN-Kinderhilfswerk. Zwei Jahre, nachdem Unicef Deutschland  we­gen dubioser Beraterverträge und Provisionszahlungen das offizielle Spenden-Siegel entzogen wurde, ist die Organisation auf Erfolgskurs.

Das Drama um Unicef: Um 20 Prozent waren die Spenden 2008 infolge der Skandale eingebrochen – von fast 95 auf 72 Millionen Euro. Und jedes fünfte der einst 200.000 Fördermitglieder war nach der Affäre davongelaufen. In diesem Jahr werden die Einnahmen erstmals wieder steigen. Der Kreis der Förderer wächst.

„Trotz der wirtschaftlich un­sicheren Zeiten hat Unicef Fördermitgliedschaften hinzugewonnen“, sagt Regine Stachelhaus zu AKTIV. Seit sie vor einem Jahr das Vorstandsbüro beim Drucker-Hersteller Hewlett-Packard in Böblingen gegen das der Geschäftsführerin in der Kölner Unicef- Zentrale getauscht hat (wie man hört, für ein deutlich nied­rigeres Gehalt), ist die Zahl der Förderer um 10.000 auf 170.000 gestiegen.

Das Erfolgsrezept von Stachelhaus und Jürgen Heraeus, dem Unicef-Vorsitzenden, heißt Transparenz. Hatte der Geschäftsbericht, den die später gestürzte Vorsitzende Heide Simonis 2007 vorlegte, noch magere 31 Seiten, so war der von Heraeus ein Jahr später doppelt so dick. Und der ist auch online einsehbar.

Aufgeräumt mit Provisionen

Für den Hanauer Unternehmer (Edelmetall- und Technologiekonzerns mit 11.000 Mitarbeitern) stand schon beim Antritt des Ehrenamtes fest: „Hilfsorganisationen sind Einrichtungen, für die auch unternehmerisches Handeln gelten muss, wenn sie erfolgreich sein wollen.“

Unternehmerisch ging He­raeus auch an die Besetzung des hauptamtlichen Geschäftsführerpostens heran. Ein Personalberater hatte ihm Stachelhaus – 2005 als „Managerin des Jahres“ ausgezeichnet – vorgeschlagen. Gemeinsam haben Heraeus und Stachelhaus aufgeräumt.

Mit den Provisionen für professionelle Spendensammler. „Ich habe gelernt, dass Ehrenamtliche nur sehr schwer von solchen Zahlungen zu überzeugen sind“, so Heraeus.

Mit der gestörten Kommunikation, über die Unicef- Mitarbeiter früher geklagt hatten. „Frau Stachelhaus hört zu und trifft Entscheidungen, nachdem offen diskutiert wurde“, sagt eine Insiderin.

Mit Engagement da, wo die Spenden ankommen. Stachelhaus: „Ich habe in Angola erlebt, wie begeistert Kinder sind, dass sie zur Schule gehen können – ein Erfolg der Kampagne ,Schulen für Afrika’. Dafür haben mehr als 150.000 Menschen gespendet. Jetzt weiten wir die Kampagne aus.“

Im Januar will Unicef das Spenden-Siegel erneut beim Deutschen Zentralinstitut beantragen. Die Zustimmung – und damit ein weiterer Anstieg der Spenden – gilt als sicher.

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