Die falschen Anreize ...

... und wie man sie nach der Euro-Krise korrigieren sollte

Herausgeber Ulrich Brodersen

Wenn in dieser Welt was fundamental schiefläuft, ob im Großen oder im Kleinen, dann unterstellt man den handelnden Personen gern Böswilligkeit oder Unfähigkeit oder auch beides zugleich. Meist trifft das aber nicht den Kern. Eher ist es so, dass die Akteure falsch gesetzten Anreizen ausgesetzt sind. Und ihnen leider auch dann unterliegen, wenn die Anreize am Ende in die Irre führen.

Im Fall der Staatsverschuldungskrise trifft das gleich für zwei Seiten zu – Kredit­geber und Kreditnehmer:

  • Die Kreditgeber hatten sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, dass Staatsanleihen sozusagen eine sichere Bank sind. Sie gingen davon aus, dass die Länder, die Aufnahme in die Euro-Zone fanden, als solide geprüft waren. Und dass der EU-Laden im Zweifelsfall zusammenhält – also die Gemeinschaft für ein einzelnes Land einsteht. Das Umdenken kam viel zu spät: Die Blase platzte, als die Politik für Griechenland den Schuldenschnitt androhte.
  • Die südeuropäischen Schuldenstaaten als Kreditnehmer wurden mit dem Euro in eine scheinbar äußerst komfortable Lage gebracht: Die zwangsläufig einheitliche Geldpolitik im Gebiet der Währungsunion bescherte ihnen ein nie gekanntes niedriges Zinsniveau. Da wurden nicht nur Staaten schwach, sondern auch Private. Beispiel: Bauboom in Spanien.

Der dadurch finanzierte, künstliche Aufschwung verstärkte noch die Lust auf Kreditaufnahme – zumal die Inflation zunahm und sich mit dem Geld ja auch die Schulden entwerteten. Das Leben auf Pump wurde immer günstiger – bis die Geldgeber, sprich Staatsanleihenkäufer, nicht mehr mitspielten.

Eine solche Betrachtung von den Anreizen her erklärt nicht alles und entschuldigt nichts – warum etwa wurde Griechenland überhaupt in die Euro-Zone aufgenommen? Aber sie wirft ein Schlaglicht auf die Szenerie. Es ist offensichtlich: Die Anreize müssen anders gesetzt werden.

Bedenkenswert ist zum Beispiel ein Vorschlag von Professor Otmar Issing, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank: Für den Fall, dass die EU in Zukunft ein Mitgliedsland vor der Pleite rettet, sollte jetzt im Voraus ein automatischer Forderungsverzicht der Gläubiger vorgesehen werden.

„Das diszipliniert die Kreditgeber“, so Issing, und setzt wiederum „die Schuldenländer unter Druck, die Haushaltssanierung voranzutreiben“. Die Banken würden, was das Risiko von Staatsanleihen angeht, nicht so schnell wieder leichtsinnig.


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