Der Glühbirnen-Aufstand

Umweltschutz ist für die Deutschen vor allem eine Frage des Geldbeutels


Berlin/Nürnberg. Ab diesem Samstag gibt es keinen Nachschub mehr. Der 1. September ist der Stichtag für das endgültige EU-weite Verbot, Glühbirnen in den Handel zu bringen. In Deutschland aber begehren Verbraucher trotzig dagegen auf.

Unverdrossen ordern sie die jetzt gestoppten 25- und 40-Watt-Versionen im Internet – ebenso wie die längst aus den Regalen verbannten 100-Watt-Stromfresser. Und sie greifen zu, wenn findige Ladenbesitzer in ihrer Haushaltsabteilung „stoßfeste Speziallampen für Handwerker“ zum Sparpreis anbieten und so das Verbot aushebeln.

Noch. Denn jetzt macht die EU Druck: Trotz Krisengipfeln wegen der Euro-Rettung und der Schuldenstaaten möge sich die Bundesregierung dringend der Glühbirnen-Problematik annehmen.

15 Millionen Tonnen CO2 einsparen

Der Grund für die Beharrlichkeit der Brüsseler Beamten: Um jährlich 40 Milliarden Kilowattstunden könnte der Stromverbrauch in der EU durch Energiesparlampen sinken. Das entspricht dem Jahresbedarf von Rumänien. Und die CO2-Einsparung schätzt die EU-Kommission auf 15 Millionen Tonnen.

Warum viele der sonst oft umweltbewussten Deutschen dennoch fremdeln mit der Energiesparlampe, erklärt Rolf Bürkl, Konsumexperte der Marktforschungsgesellschaft GfK: „Die Entscheidung läuft vor allem über den Geldbeutel.“

Für die Kunden sei der Vorteil gegenüber der guten alten Glühbirne zu wenig greifbar. „Eine Energiesparleuchte ist in der Anschaffung erst mal deutlich teurer. Die Einsparungen anhand der Stromrechnung dagegen machen sich erst viel später bemerkbar“, sagt Bürkl.

Wunsch und Wirklichkeit

Es will halt keiner draufzahlen. Das erschwere auch die Einführung des an sich günstigeren Bio-Sprits E 10. „Viele fürchten einen Motorschaden“, so Bürkl.

Anhand der GfK-Umfragen stellt er regelmäßig fest: Viele Verbraucher möchten zwar umweltbewusst einkaufen. Doch längst nicht alle handeln auch danach.

Bei den Energiesparlampen wird sich das wohl schnell ändern: Einige Bundesländer haben bereits angekündigt, zusätzliches Personal für die Überwachung des Glühbirnenverbots einzustellen.

Wird der Verbraucher zu sehr gegängelt?

Schreiben Sie uns!

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang