Klima

Umweltschutz bringt Umsatz


Wie eine klimafreundliche Zukunft Firmen in Bayern Aufträge und Wachstumschancen bringt

Wer hätte das vor wenigen Jahren gedacht: In der bayerischen Metall- und Elektrobranche stehen die Zeichen voll auf Grün! Dank Klimaschutz ist derzeit vieles, was es an Technologien, Produkten und Dienstleistungen in diesem Bereich gibt, sehr gefragt.

Von rund 10.000 deutschen Anbietern für Umwelttechnik kommt jeder fünfte aus dem Freistaat. Große Unternehmen profitieren ebenso wie kleinere Spezialfirmen.

Und langfristig wird die Nachfrage nach leistungsfähigen Umwelt-Technologien weiter steigen – angeheizt vom Klimawandel, Umweltschäden und  den knapper werdenden Rohstoffen.

Maschinenbauer und Elektroindustrie sehen sich gut gerüstet für eine klimafreundliche Zukunft. „Unsere Firmen können alles liefern, von energiesparender Antriebstechnik bis hin zu Kraftwerken“, sagt Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau (VDMA).

 

Schlüsselrolle für die Umwelttechnik 

Auch Robert Schullan, VDMA-Vorsitzender in Bayern sagt: „Unsere Hersteller haben hier erhebliche Wettbewerbschancen, die es zu nutzen gilt.“

Die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger hat sechs wichtige Märkte identifiziert, die  besonders gute Möglichkeiten für Wachstum bieten: Energieerzeugung, energiesparende Produkte und Anlagen, Wasserwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, effizienter Einsatz von Rohstoffen und Material sowie nachhaltige Mobilität.

Zusammen kamen alle Bereiche 2005 auf ein Weltmarktvolumen von 1.000 Milliarden Euro. Bis 2020 soll sich der Gesamtumsatz dieser Industrien mehr als verdoppeln: auf 2.200 Milliarden Euro.

Bestens vorbereitet für den Export in alle Welt 

Wegen der hohen Umweltstandards im eigenen Land sind unsere Firmen in vielen Bereichen technologisch führend. Der Vorsprung vor der Auslands-Konkurrenz ist groß.

Fazit der Experten von Roland Berger: „Deutschland hat hervorragende Voraussetzungen, um die Weltmärkte mit GreenTech made in Germany zu beliefern.“

So wachse der Wirtschaftszweig immer mehr in eine Schlüsselrolle hinein. Man traut den Umwelttechnologien sogar zu, Branchen wie den Maschinen- oder den Fahrzeugbau mittelfristig zu überflügeln.

In Zahlen: Der Anteil der Umwelttechnik-Branche am Gesamtumsatz der deutschen Industrie wird laut Berger-Studie deutlich steigen– von vier Prozent im Jahr 2005 auf 16 Prozent bis im Jahr 2030.

echnologien zur umweltfreundlichen Energiegewinnung gehören zu den großen Stärken unseres Landes. Etwa die Windkraft: Zwar konzentrieren sich die Hersteller im küstennahen Norden, doch liefern bayerische Firmen zahlreiche Bauteile für Windkraftanlagen.

In der Oberliga spielen wir auch beim Thema „nachhaltige Mobilität“ – mit Autoherstellern und Zulieferern als Hauptakteuren. Ziele: Den Energieverbrauch zu senken durch verbesserte Antriebe und Leichtbau sowie die Abgase zu verringern durch neue Filter- und Katalysatortechniken.   

 

Beispiel Gusstec

Grüne Gießerei

Weiherhammer. Windkraft treibt das Geschäft bei der Gießerei Gusstec an. Hergestellt werden Bauteile für Windkraftanlagen – Rotornaben, Maschinenträger, Getriebegehäuse und Halterungen für Drehflügel.

Diese Werkstücke sind  im Durchmesser bis zu 2,50 Meter hoch und acht Tonnen schwer.

„Die Windkraft ist als Nische ganz schön groß geworden und beschert uns einen echten Auftragsboom“, sagt Geschäftsführer Joachim Placzek.

Heute produziert Gusstec mit rund 11.000 Tonnen Eisenguss pro Jahr mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren und erzielt damit rund 23 Millionen Euro Jahresumsatz. Anfertigungen für Windkraftanlagen machen mittlerweile 60 Prozent des gesamten Produktionsvolumens aus.

Enorm ist vor allem der Bedarf an großen Gussteilen, die hohen Belastungen standhalten. Nur Spezial-Gießereien können sie herstellen. Also haben auf Sonderanfertigungen spezialisierte Betriebe wie Gusstec eine Chance gegen die Billig-Konkurrenz.

Placzek rechnet „mindestens die nächsten fünf Jahre“ mit weiteren guten Aussichten für die Windkraft. Bei Gusstec sind die Auftragsbücher bis Ende 2008 ausgebucht – „und das, obwohl wir  nächstes Jahr 25 Prozent mehr produzieren werden“. Erst kürzlich investierte die Firma 1 Million Euro in neue Produktionsanlagen.

Derzeit stellt Gusstec pro Monat ein bis zwei Leute ein. Quereinsteiger mit technischen Kenntnissen haben eine gute Chance auf einen der 190 Jobs im Betrieb.  

 

Beispiel Bosch

Grüne Technik 

Nürnberg. Bosch investiert kräftig in Umwelt-Technologien. Davon profitiert auch der Standort Nürnberg.

Die Bosch Rexroth AG baut dort im kommenden Jahr eine neue Fertigung für Windkraft-Großgetriebe auf. Zudem soll die Produktion für Komponenten der Benzindirekteinspritzung aufgestockt werden.

Für beide Projekte will Bosch bis 2013 insgesamt 280 Millionen Euro ausgeben. Rund 360 neue Arbeitsplätze sollen dabei entstehen, die intern besetzt werden.

Anschub für weltweites Geschäft

Die Nachfrage nach sicheren, sauberen und sparsamen Fahrzeugen wird weiter steigen, ist man bei Bosch überzeugt. Bernd Bohr, Vorsitzender des Bereichs Kraftfahrzeugtechnik, ist sicher: „Das gibt in den kommenden Jahren einen wesentlichen Schub für unser weltweites Geschäft.“  

 

Beispiel ABM Greiffenberger  

Grüne Getriebe

Marktredwitz. Mit Getriebemotoren für Biomasseheizungen ist die oberfränkische Firma ABM Greiffenberger in einem zukunftsträchtigen Bereich aktiv. 2006 waren hier die Umsätze doppelt so hoch wie im Jahr davor.

Klimafreundliche Technik macht heute rund zehn Prozent des gesamten Geschäfts aus. „Da hat uns eindeutig die Klimaschutzdiskussion geholfen“, sagt Divisionsleiter Werner Bundscherer.

Geforscht und entwickelt wird bei ABM an sparsamen Antrieben seit Mitte der 80er Jahre. Die Firma punktet vor der Konkurrenz mit anwendungsspezifischem Design, hochwertigen Materialien und exakter Fertigung. Bundscherer: „Das verringert  Ausfälle der Antriebe auf ein Minimum.“

75 Prozent der elektrischen Antriebe gehen in den Export. Die Perspektiven sind gut. „Wir investieren daher kräftig“, so Bundscherer. Dabei entstanden fast 90 neue Arbeitsplätze in Marktredwitz.

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Schlagwörter: Umwelt Wohlstand

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