Freierer Handel mit Amerika

Umfrage: Bayerns Unternehmen hoffen auf TTIP

München. Keine Zölle, weniger Bürokratie, mehr Handel: Viele bayerische Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften dank des Freihandelsabkommens, das sich zwischen der EU und den USA anbahnt.

„Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, kurz TTIP) heißt das Projekt, das im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll und für Bayern besonders wichtig ist. Denn die USA sind der bedeutendste Handelspartner des Freistaats. 11 Prozent aller Exporte gingen 2013 in die Vereinigten Staaten. Aus ganz Deutschland waren es 8 Prozent.

Unternehmen beurteilen das Abkommen positiv. Das zeigt eine aktuelle Befragung zu den Chancen und Risiken von TTIP im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Von den beteiligten bayerischen Firmen, die bereits auf dem US-Markt tätig sind, rechnen zwei Drittel mit positiven Auswirkungen auf ihr Geschäft. 80 Prozent erwarten von dem Abkommen einen Abbau der Bürokratie.

Insgesamt sieht die Hälfte der Firmen aus Bayern überwiegend Vorteile. Im restlichen Bundesgebiet sind es 42 Prozent. Fast alle übrigen bayerischen Unternehmen (46 Prozent) stehen TTIP neutral gegenüber. Außerhalb des Freistaats liegt dieser Wert bei 54 Prozent.

Auch die Motorenfabrik Hatz in Ruhstorf nahe Passau könnte von TTIP profitieren. Die Firma mit rund 1.000 Mitarbeitern baut Dieselmotoren, etwa für Pumpen, Kompressoren sowie Bau- und Landmaschinen. Hatz machte 2013 ein Zehntel des Umsatzes in den USA.

Das Export-Geschäft ist allerdings aufwendig. Jeder in Europa zertifizierte Motorentyp muss in den USA noch einmal zugelassen werden. Dabei werden etwa die Abgaswerte überprüft. „Für uns bedeutet das viel Papierkram, zusätzlichen Aufwand auf dem Prüfstand und damit höhere Kosten“, sagt Hatz-Sprecher Fabian Ottmann. Das sei sehr ärgerlich – zumal sich die Abgasgrenzwerte in den USA kaum von denen der EU unterscheiden. „Wäre dieser Aufwand nicht mehr nötig, würde uns das sehr helfen.“

Verschiedene Standards machen die Geschäfte unnötig schwer

Verschiedene Standards für Produkte, Techniken und Zulassungsverfahren machen vielen Firmen bislang unnötig das Leben schwer. Fachleute sprechen von nichttarifären Handelshemmnissen. Ihnen gilt in den TTIP-Verhandlungen neben den Themen Zoll und Investitionsschutz besondere Aufmerksamkeit. Würden auf Grundlage von TTIP Standards vereinheitlicht oder zumindest gegenseitig anerkannt, könnte das den Handel enorm stimulieren.

Laut Prognose des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo würde ein umfassendes Abkommen den Handel zwischen der EU und den USA um rund 80 Prozent erhöhen. 400.000 neue Arbeitsplätze in der EU wären die Folge – 110.000 davon in Deutschland.


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