Wohngebäude

Umfassend geschützt?


Extremes Risiko: Wer in Ufernähe wohnt, muss für Hochwasser-Schäden oft selbst aufkommen. Foto: Langohr

Bei der Police für die Immobilie gibt es vielfach Lücken

Feuer, Wasser, Sturm: „Wenn da etwas passiert, kann der Schaden sehr hoch sein“, betont Rechtsanwalt Gerold Happ von Haus & Grund, „eine umfassende Versicherung der Immobilie ist deshalb für jeden Eigentümer sinnvoll.“ Das sieht auch Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten so: „Wer sein Haus nicht richtig versichert, geht ein existenzbedrohendes Risiko ein.“

Klauseln überprüfen

Zwar haben nach Angabe des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) immerhin rund 95 Prozent der Immobilienbesitzer eine Police fürs Haus. Aber: Oft reicht der vereinbarte Schutz nicht aus.

Versicherungen fürs Eigenheim bestehen heute nämlich aus mehreren Teilen. Basis ist die klassische Wohngebäudeversicherung, die fast alle haben: Sie zahlt bei Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel.

„Schäden durch Leitungswasser kommen am häufigsten vor“, weiß Rudnik. „Wichtig ist aber, dass nicht nur die Leitungen im Haus, sondern auch die auf dem Grundstück eingeschlossen sind.“ Wer ein Wasserbett oder ein Aquarium besitzt, sollte auf eine ausdrückliche entsprechende Absicherung achten.

„Am wichtigsten ist die Klausel, dass der Versicherer auch bei grober Fahrlässigkeit voll zahlt“, erklärt Rudnik. Ansonsten darf die Versicherung nämlich die Zahlungen kürzen, wenn beispielsweise eine unbeaufsichtigte Kerze das Haus in Flammen gesetzt hat.

Bei den meisten Häuslebauern fehlt in der Akte der zweite Teil – die Versicherung gegen sogenannte Elementarschäden. „75 Prozent der deutschen Haushalte haben keinen Schutz gegen Naturgewalten“, heißt es beim GDV. Ohne die Extra-Versicherung zahlt man Schäden nach Überschwemmungen, Wolkenbrüchen oder bei von Schnee eingedrückten Dächern selbst. „Eine solche Police sollte man heute unbedingt haben“, rät Rudnik, „denn die Unwetter nehmen zu.“

Am Leistungsumfang nicht sparen

Das Problem dabei: Wer in besonders gefährdeten Gebieten wohnt, bekommt häufig gar keine Versicherung – zum Beispiel gegen Hochwasser. Je nach Standort des Hauses ist das ein Grund mehr, so eine Police abzuschließen, solange es noch geht…

Den dritten Teil brauchen dagegen längst nicht alle: Für Photovoltaik-Anlagen empfiehlt sich eine eigene Versicherungspolice, die etwa bei Diebstahl, Betriebsausfällen oder Kurzschluss-Schäden zahlt.

Alles in allem kostet der komplette Schutz je nach Lage und Wert des Hauses oft weniger als 500 Euro pro Jahr. „Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind erheblich“, sagt Rudnik.  Vergleichen lohnt sich also – aber beim Leistungsumfang sollte man nicht sparen: „Der Aufpreis für den besseren Schutz ist gut angelegtes Geld.“

Übrigens: Wer den Wert der Immobilie erhöht hat, beispielsweise durch den Bau eines Wintergartens oder einer Garage, muss das der Versicherung melden. Ansonsten ist man unterversichert – und bekommt auch bei kleineren Schäden nicht die vollen Kosten ersetzt.

Info: Gratis-Lektüre

Weitere Tipps zum Thema geben ein Merkblatt des Bundes der Versicherten sowie eine Broschüre des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (beide kostenlose PDF-Dowmloads). Außerdem finden Sie interessante Hinweise zum Thema im Portal www.elementar-versichern.bayern.de

Mehr zum Thema:

Das Hab und Gut schützen, die Familie absichern, nach Unfällen zumindest finanziell aus dem Schneider sein: Für solche Zwecke gibt es alle möglichen Versicherungen. Doch welche Policen sind unverzichtbar oder zumindest wirklich nützlich?

aktualisiert am 09.10.2017

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang