Währung

Überrollt vom eigenen Erfolg


Die Wirtschaft der Schweiz leidet unter dem starken Franken

Köln. Wer glaubt, ohne den Euro könnte Deutschland noch viel besser dastehen, sollte mal einen Blick in die Schweiz werfen. Der Alpenstaat und sein Franken – das ist in etwa so wie eine Bundesrepublik, die immer noch die D-Mark hätte.

Die Währung der Schweiz erlebt seit Monaten einen Höhenflug. Alarmiert von der Schuldenkrise in der Euro-Zone kauften Anleger allein in einer einzigen Woche im August Staatsanleihen von über 9 Milliarden Franken.

Für die dortige Wirtschaft ist der Kursanstieg eine Katas­trophe. Hersteller des Emmentaler Käse beklagen einen Umsatzeinbruch um 17 Prozent in den vergangenen sechs Monaten. Denn Großabnehmer im Euro-Raum weichen auf französischen und italienischen Käse aus.

 

Abschwung auch im Tourismus. Wer umgerechnet mehr als 20 Euro für ein einfaches Abendessen berappen muss, reist lieber nach Österreich. 5 Prozent weniger Umsatz als vor einem Jahr meldet die Tourismusregion Luzern.

Der Preis der Unabhängigkeit

So deutlich wie noch nie spüren die Eidgenossen die wirtschaftlichen Folgen ihrer Unabhängigkeit mitten in Europa. Der renommierte Schweizer Europarechtler Professor Thomas Cottier ermahnt deshalb die Politiker seines Landes: „Wir müssen uns auf Dauer entscheiden, was wir wollen – Unabhängigkeit oder Partizipation.“

Denn in Wahrheit ist die Schweiz eng mit der EU verknüpft. Waren und Dienstleistungen für 74 Milliarden Euro exportierte sie 2010 in die Gemeinschaft. „Seit 1988 ist unsere Gesetzgebung europakompatibel“, sagt Cottier. Das Problem: „Wir übernehmen Gesetze, bei deren Entstehung wir nicht mitgewirkt haben.“ Außerdem entwickele sich die EU ständig weiter, „unsere Verträge müssten also ständig angepasst werden“, erklärt der Experte.

Keine Zinsen auf Staatsanleihen

Diese Anpassung kostet Zeit. Deshalb droht die Schweiz etwa den Anschluss an den Strommarkt zu verlieren: Eigentlich würde sich das zentral gelegene Land als Stromdrehscheibe eignen – und als Standort von Pumpspeicherkraftwerken. Doch die Regierung streitet sich mit der EU über Details.

Die Schweizer Nationalbank SNB ist da schon viel europafreundlicher. Deren Top-Banker denken sogar laut darüber nach, den Kurs des Franken an den des Euro zu binden.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Vorerst bremste die SNB den Kursanstieg des Franken, indem sie auf Staatsanleihen keine Zinsen zahlt und obendrein eine Gebühr kassiert. Zum Vergleich: Auf deutsche Bundesschatzbriefe mit drei Jahren Laufzeit gibt es immerhin 1,25 Prozent.

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