Zeit und Geld sparen

TTIP: Was Mittelständler vom geplanten Freihandelsabkommen mit den USA erwarten

Frankfurt. Ob mit dem Flugzeug oder dem Schiff: Deutschland exportierte 2014 Waren und Dienstleistungen für 96 Milliarden Euro in die USA. Umgekehrt kauften wir dort für über 48 Milliarden Euro ein. Die Staaten sind unser wichtigster Handelspartner außerhalb der EU. Besonders gefragt sind Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse.

Das Transatlantische Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA, kurz TTIP, soll den Handel nach Übersee einfacher machen. Mit der Zustimmung des europäischen Parlaments hat das Abkommen eine wichtige Hürde genommen. Doch in Deutschland wird darüber noch hitzig gestritten.

US-Botschafter will die Menschen überzeugen

„Die Diskussion wird vor allem von Ängsten dominiert“, sagt US-Botschafter John B. Emerson. „Dabei bietet TTIP die Chance, die Globalisierung zu gestalten.“ Von diesen Chancen will er derzeit so viele Menschen wie möglich in Deutschland überzeugen.

Mit dem Handelsabkommen sollen gemeinsame Standards geschaffen werden. „Diese Standards könnten zum Maßstab in Verhandlungen mit anderen Staaten wie China werden.“ Das sagte Emerson bei einer Veranstaltung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) in Frankfurt. Zum VhU-Wirtschaftsforum „Freihandel und Investitionsschutz zwischen EU und USA“ kamen rund 150 Vertreter aus Wirtschaft und Politik.

„Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland und in Hessen hängt direkt oder indirekt vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite“, so macht Wolf Matthias Mang die Relevanz des Abkommens klar. Mang ist hessischer Arbeitgeberpräsident und Geschäftsführer von Arno Arnold in Obertshausen, einem Hersteller von Schutzabdeckungen für Maschinen.

Von dem Abkommen versprechen sich besonders mittelständische Unternehmen Vorteile. „Derzeit ist es für uns sehr teuer und aufwendig, Produkte in die USA zu verkaufen“, sagt Holger Weidmann, Geschäftsführer und Miteigentümer des Maschinenbauers Krautzberger in Eltville am Rhein. Sein Unternehmen produziert Maschinen zur Oberflächenbehandlung. Die 75 Mitarbeiter setzen jährlich 11 Millionen Euro um. „Wir können es uns einfach nicht leisten, stundenlang Zoll-Formulare auszufüllen.“

Außer dem Wegfall von Zöllen bei der Ausfuhr von Waren wünscht sich der Mittelstand von TTIP einheitliche technische Normen und Standards. Dirk Pieler, Geschäftsführer des Elektronik-Unternehmens Bender in Grünberg, erklärt das an einem Beispiel, der Stromversorgung in Operationssälen. Um diese zu sichern, stellt seine Firma Isolationsüberwachungstechnik her. „In den USA gelten andere Abstände für Kabel und Steckverbindungen“, so Pieler. „Deshalb müssen wir zwei Varianten produzieren. Das kostet Geld und Zeit.“ Mit TTIP aber müssten die Spezialisten nur noch ein Gerät entwickeln und bauen.

Damit antwortet er auch auf den Vorwurf von Thilo Bode: „TTIP dient fast ausschließlich den großen, weltweit agierenden Konzernen, die ihre Marktanteile ausbauen wollen“, sagt Bode, Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in Berlin.

„Ganz im Gegenteil“, entgegnet Ulf M. Schneider, Vorstandschef von Fresenius in Bad Homburg. Patienten könnten dadurch viel schneller an lebenswichtige Medikamente kommen, wenn die langwierigen und heute doppelten Zulassungsverfahren für Medikamente vereinheitlicht würden. „TTIP nützt vor allem den Bürgern in Europa und den USA.“


Mehr zum Thema:

Das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA – über dieses kontroverse Thema berichtet AKTIV immer wieder. Lesen Sie hier, worum es in der aktuellen Debatte geht.

aktualisiert am 31.03.2017

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