Arbeitsschutz besser als früher

Trotz steigender Beschäftigung passieren in den Betrieben immer weniger Arbeitsunfälle

Berlin. Ob Baustelle, Chemie-Anlage oder Metallfabrik: Ohne Helm und Sicherheitsschuhe läuft in vielen Betrieben nichts. Solche Umsicht macht sich bezahlt. Obwohl die Beschäftigung auf ein Rekordhoch gestiegen ist, passieren immer weniger Arbeitsunfälle.

So ist die Zahl der Erwerbstätigen im Lande von 41 Millionen Menschen im Schnitt des Jahres 2010 auf 42,6 Millionen 2014 gestiegen. Zugleich sank die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle von 954.000 auf 870.000, wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) berichtet. Auch die Zahl der „Wegeunfälle“ während der Fahrt zur Firma ging zurück.

„Die Arbeit wird immer sicherer“, sagt Walter Eichendorf, Vize-Chef der DGUV. „Und das ist ein langfristiger Trend.“ So ist seit 1995 die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle um fast zwei Drittel gesunken, 2014 waren es 483. Die Zahl aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle, auf je 1.000 Vollzeit-Beschäftigte gerechnet, hat sich über alle Branchen hinweg mehr als halbiert.

Diese positive Entwicklung hat mehrere Ursachen.

Weniger harte Arbeit

Es gibt immer mehr Bürojobs. Die Zahl der Beschäftigten mit körperlicher Arbeit sinkt, etwa beim Bergbau. Und: „Viele Baufirmen machen nur noch Planung, Kalkulation und Bauleitung“, weiß Eichendorf. „Die gefahrenträchtigere Arbeit vor Ort übernehmen oft Arbeiter aus dem Ausland, die in ihrem Heimatland unfallversichert sind. Wobei wir uns natürlich um die Überwachung des Arbeitsschutzes kümmern.“

Sicherere Maschinen

Seit 2006 schreibt eine EU-Richtlinie für Maschinen ein einheitliches Schutzniveau vor. So sollen Anlagen zum Beispiel Schutzhauben oder -zäune haben, sie müssen gegen Stromschlag geerdet sein und einen Not-Ausknopf haben.

Zudem sollen neue Normen für mehr Sicherheit bei Maschinen sorgen: Rund 600 deutsche Experten aus den Berufsgenossenschaften arbeiten daran national und international mit, so Eichendorf. Aktuell tüfteln sie an einheitlichen Sicherheitsnormen für moderne Roboter, mit denen etwa Beschäftigte der Auto-Industrie eng zusammenarbeiten. Schon jetzt stoppen Sensoren solche Roboter, wenn sie dem Menschen gefährlich werden könnten.

Mehr Vorbeugung

Prävention ist das A und O der Arbeitssicherheit. Allein die Berufsgenossenschaft Holz und Metall hat letztes Jahr über 63.000 Betriebe beraten sowie 815 kleine und mittlere Firmen beim Aufbau eines Arbeitsschutz-Managements unterstützt: Sicherheitsaspekte sollen so noch besser berücksichtigt werden.

In Großunternehmen ist so etwas laut DGUV schon Standard. Siemens zum Beispiel setzt dabei stark auf die Eigeninitiative der Beschäftigten. Etwa im Werk Bad Neustadt, wo Elektromotoren gefertigt werden: Dort sammelte man 450 Verbesserungsvorschläge zum Thema. Die Zahl der Unfälle je 100.000 Arbeitsstunden sank daraufhin um zwei Drittel, wie Werkleiter Peter Deml berichtet. Sein Ziel: „Null Unfälle“ – ein Mitarbeiter soll während seines Arbeitslebens möglichst keinen einzigen Unfall im Betrieb erleiden. Andere Großunternehmen setzen sich ähnlich ehrgeizige Ziele, weiß DGUV-Manager Eichendorf. „Letztlich ist jeder Unfall einer zu viel.“

Übrigens: Nicht erst seit einer Präzisierung des Arbeitsschutzgesetzes achten die Berufsgenossenschaften verstärkt auf psychische Belastungen. Und helfen Betrieben bei der entsprechenden Gefährdungsbeurteilung.

Gesetzliche Unfallversicherung: Die Betriebe tragen alle Kosten

  • Die gesetzliche Unfallversicherung ist eine Art Haftpflichtversicherung für die Betriebe, diese entrichten daher sämtliche Beiträge. Träger sind die Berufsgenossenschaften: Sie sorgen für Behandlung und Reha, zahlen Verletztengeld oder Rente.
  • 2008 beschloss der Bundestag eine Reform: Aus damals 23 Berufsgenossenschaften wurden 9, mit heute noch 22.000 Beschäftigten. Das System sollte dadurch effizienter werden. Der durchschnittliche Beitragssatz ging seit 2010 um knapp ein Zehntel zurück.
  • Die Arbeitgeber fordern aber, die Wegeunfälle aus dem Leistungskatalog zu streichen. Unfallrente sollte es zudem jeweils nur bis zum Beginn der Altersrente geben.

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