Im Freistaat wird zu wenig gebaut

Trotz Immobilien-Boom keine Entspannung auf dem bayerischen Wohnungsmarkt

im Jahr 2016 wurden in Bayern so viele Baugenehmigungen erteilt wie seit 1999 nicht mehr. Aber selbst das wird nicht reichen, um den Bedarf von 70.000 neuen Wohnungen im Jahr zu decken.

Viel zu tun: Bauunternehmen haben derzeit volle Auftragsbücher. Foto: Fotolia

Viel zu tun: Bauunternehmen haben derzeit volle Auftragsbücher. Foto: Fotolia

München. An vielen Orten in Bayern macht die Wohnungssuche derzeit keinen Spaß. Die Konkurrenz unter Mietern und Käufern ist groß. Und ist die neue Bleibe endlich gefunden, wird einem beim Preis schnell schwindelig. Experten sind sich einig: Es fehlt an Wohnungen!

Daran wird auch der aktuelle Immobilien-Boom nichts ändern. Deutschlandweit gab es 2016 rund 375.000 Baugenehmigungen für Wohnungen – satte 22 Prozent mehr als 2015. Und auch im Freistaat stieg die Zahl um 20 Prozent auf knapp 75.000, das waren so viele Baugenehmigungen wie seit 1999 nicht mehr.

Engpässe in der Bau-Industrie

„Das reicht aber immer noch nicht“, mahnt Tobias Straubinger, Sprecher des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW). „Baugenehmigungen sind nicht gleich gebaute Wohnungen.“ 2016 etwa wurden 54.000 Wohnungen fertiggestellt. Das ist deutlich unter der Zielvorgabe der bayerischen Staatsregierung. Demnach liegt der Bedarf im Freistaat bei 70.000 neuen Wohnungen im Jahr.




Doch wie lässt sich diese Bau-Lücke schließen? Kurzfristig scheint das kaum möglich – schon allein aufgrund bestehender Engpässe in der ausgelasteten Bau-Industrie. Auch einige Wohnungsunternehmen müssten ihre Bauabteilungen erst wieder aufbauen, erklärt Straubinger. „Die Maschinerie muss überall erst wieder richtig anlaufen.“

Mittelfristig wären zudem weitere richtungsweisende Schritte nötig, um die Situation auf dem Wohnungsmarkt deutlich zu entspannen. Allerdings müsste die Politik dazu an einigen Stellschrauben drehen – was sie jedoch bislang noch nicht ausreichend getan hat. „Das Problem auf dem Wohnungsmarkt ist daher in gewissem Umfang auch hausgemacht“, sagt Straubinger.

Was getan werden könnte, wurde vergangenes Jahr von einer Studie im Auftrag von Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft, Baugewerkschaft und Mieterbund dargelegt. Ihr Titel: „Instrumentenkasten für wichtige Handlungsfelder der Wohnungsbaupolitik“.

Neben finanziellen Anreizen für Investoren und der Bereitstellung von mehr Bauland empfehlen die Autoren unter anderem, Wohngebiete nachzuverdichten, bestehende Häuser aufzustocken und Dachgeschosse auszubauen. Allein damit könnten deutschlandweit über 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen geschaffen werden.

Um Wohnraum bezahlbarer zu machen, schlägt die Studie zudem vor, diverse Bau-Standards zu senken, die den Neubau von Immobilien unnötig verteuern würden.

Darunter fallen etwa Vorgaben, bei denen die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben sei. Gesetzliche Regelungen zum Klimaschutz müssten so angepasst werden, „dass sie Wohnungsneubau nicht bremsen oder verhindern“. Auch die strikten Vorgaben von Stellplatzsatzungen seien zu überprüfen. Ein Tiefgaragenplatz kostet im Schnitt rund 20.000 Euro.

Kosten senken ließen sich zudem mit einer größeren Menge standardisierter und industriell vorgefertiger Bauteile, die man nach dem Baukastensystem variabel zusammensetzen kann. Fachleute sprechen vom „seriellen Bauen“ und versprechen sich durch hohe Stückzahlen deutliche Einsparungen. Dazu müssten allerdings Bauordnungen vereinheitlicht werden.

All das könnte auch die schwierige Situation in bayerischen Städten wie München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt etwas entspannen. Auch hier ist insbesondere bezahlbarer Wohnraum knapp – und das dürfte erst mal auch so bleiben.

„Der Zuzug in die Ballungsräume wird weitergehen, der Trend ist ungebrochen“, prognostiziert Straubinger. Für ihn steht fest: „Das Thema Wohnen wird in den anstehenden Wahlkämpfen eine große Rolle spielen.“

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