Leitartikel

Triumph der Technik

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Ikarus hatte noch Probleme mit dem Werkstoff. Seine künstlichen Flügel waren mit Wachs fixiert – sodass er, als er aus dem Labyrinth des Minotauros flüchtete, der Sonne zu nah kam und in die Ägäis plumpste. Der Ikarus-Mythos aus der griechischen Sagenwelt, ein Kernbestandteil unserer Kultur, handelt vom Übermut. Aber eben auch: vom Mut!

Und so steht der Schweizer Unternehmer und Abenteurer Bertrand Piccard, der jetzt erstmals in einem rein sonnengetriebenen Flugzeug die Welt umrundet, für ein archaisches Ziel: die Grenzen des Menschenmöglichen immer weiter zu verschieben. Mit gewaltigen 72 Metern Spannweite, 17.200 Solarzellen sowie Komponenten unter anderem der deutschen Zulieferer Bayer Material Science, Siemens und Vacuumschmelze.

Es ist ein Meilenstein der Fliegerei – die wie kaum ein anderer Bereich den Technik-Ehrgeiz unserer Zivilisation verdeutlicht. Der 57-jährige Piccard, dessen Großvater schon Ballon-Aufstiege in die Stratosphäre unternahm, will mit dem Projekt natürlich die Entwicklung umweltschonender Flugzeuge vorantreiben. Aber er will darüber hinaus ganz grundsätzlich ein Zeichen setzen.

„Mein ultimatives Ziel ist es“, sagt er, „dass wir der Innovation und dem Pioniergeist im Alltagsleben freien Lauf lassen.“ Und er betont: Das ist eine „auf den Menschen zentrierte Vision“.

Wir sind eben nicht, wie Ikarus, launischen Göttern ausgeliefert, die sich von kühner Technik beleidigt zeigen! Wir müssen die Risiken sehen – aber nicht in falscher Demut verharren. So gesehen fliegt Piccard, der übrigens lange als Psychotherapeut arbeitete, auch gegen uralte, irrationale Ängste vor dem Fortschritt an.


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