Experten fordern Gebührensenkung durch Preisregulierung

Trinkwasser: Läuft’s nicht auch billiger?

Berlin. In diesen Wochen flattert vielen Mietern wieder die Nebenkosten-Abrechnung ins Haus. Strom und Heizung? Sauteuer. Aber auch das Wasser könnte billiger sein. Diese Vermutung nährt zumindest der jüngste Industrieländer-Vergleich des internationalen Wasserverbands IWA aus dem Jahr 2011: Nirgendwo außer in Nordirland und Dänemark mussten die Kunden mehr berappen; die Polen und Spanier zum Beispiel zahlten sogar nur ein Drittel so viel wie wir.

Viele Fachleute drängen deshalb auf eine Reform. So erneuerte kürzlich die Monopolkommission ihre Forderung, die Preise nicht mehr auf kommunaler Ebene zu überwachen, sondern zentral zu regulieren. Das unabhängige Gremium berät die Bundesregierung in Fragen von Wettbewerb und Regulierung. Die Fachleute haben „erhebliche Zweifel“, ob die deutschen Wasserversorger effizient arbeiten.

Dazu muss man wissen: Der Wassermarkt wird grundsätzlich von nur einem regionalen Anbieter beherrscht. Konkurrenz fehlt, da ein zweites, paralleles Leitungsnetz offensichtlich unrentabel wäre. Ökonomen sprechen von einem „natürlichen Monopol“.

Bislang gilt deshalb, dass sich die Wassergebühren an den Kosten der örtlichen Anbieter orientieren müssen. Die Vorgabe soll verhindern, dass Kunden ausgebeutet werden. Sparsames Wirtschaften belohnt sie allerdings nicht.

Um das zu ändern, raten die Experten zu einer wirksameren Regulierung, etwa über die Bundesnetzagentur. Die Behörde kümmert sich auch schon um die Märkte für Strom und Kommunikation. Dort purzelten mit ihrer Hilfe die Preise – was im Energie-Bereich freilich längst durch steigende Einkaufskosten bei Öl und Gas sowie durch höhere staatliche Abgaben mehr als ausgeglichen wurde.

Die Wasserversorger sehen für Preissenkungen keinen Spielraum. Sie verweisen auf besonders hohe deutsche Qualitätsstandards. Zudem sei im Ausland das Wasser oft deshalb günstiger, weil es über Steuern und Abgaben subventioniert werde.

Professor Georg Meran, Umweltökonom an der Technischen Universität Berlin, sieht gleichwohl Reformbedarf. Er ist überzeugt: „Die Preise in Deutschland sind unnötig hoch.“ Solange heimische Anbieter mit hohen Kosten ihre Gebühren problemlos anheben könnten, bleibe das auch so. „Es fehlt schlicht der Anreiz zum Sparen.“

Experte Meran und auch die Monopolkommission plädieren für eine „Benchmark-Regulierung“, wie es sie etwa in Großbritannien gibt: Eine Behörde analysiert den Markt, vergleicht Wasserwerke untereinander und gibt den Anbietern individuelle Preisgrenzen vor. Nur wer die Kosten senkt, kann seinen Gewinn erhöhen. Das animiert zur Effizienz und lässt auf Dauer auch die Preise sinken. „In diese Richtung muss es auch in Deutschland gehen“, sagt Meran.


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aktualisiert am 04.08.2016

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