Tief unten im Pazifik liegt das „schwarze Gold"


Deutsche Forscher sind Manganknollen auf der Spur

Hannover. Sie liegen in bis zu 5.000 Metern Tiefe auf dem Grund des Pazifik, sind so groß wie Kartoffeln und könnten Deutschland mit begehrten Metallen versorgen: Manganknollen.

In Jahrmillionen entstanden, enthalten sie Mangan, Kupfer, Nickel, Kobalt und etwas Seltene Erden. Alles Materialien, nach denen Stahl-, Elektro- und Elektronik-Hersteller nur so lechzen. Und die Deutschland bisher für teures Geld einführen muss.

Geschätzte 500 Milliarden Tonnen von dem „schwarzen Gold“ liegen im Pazifik. Nicht nur Deutschland, auch China, Japan, Indien und Russland zum Beispiel sind brennend an den „Knollen-Nuggets“ interessiert. Und haben sich bei der Internationalen Meeres­bodenbehörde ISA in Jamaika Rechte zum Erforschen festgelegter Areale gesichert.

Areal von der Größe Bayerns

Der Wettlauf um die Rohstoffe der Tiefsee hat begonnen. Deutschland ist seit 2006 dabei. Und hat die Rechte für ein 75.000 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Hawaii und Mexiko.

Michael Wiedicke und ein 20-köpfiges Team von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover suchen das Areal von der Größe Bayerns mit Schiff, Sonar und Videokamera nach attraktiven Abbauflächen ab. Kostenpunkt je Tour: 1 Million Euro.

Noch stehen sechs Fahrten auf dem Programm, aber schon ist sicher: „Auf großen Flächen finden sich 15 Kilogramm Manganknollen pro Quadratmeter“, berichtet Wiedicke. „Bei den Mengen wird ein Abbau sinnvoll.“ Den Deutschland nach Ablauf der 15 Jahre Erkundungsfrist beantragen müsste.

Spezialisten gesucht

Rentabel war Bergbau am Meeresgrund bisher nicht. Doch das hat sich geändert. Denn in den vergangenen Jahren schossen die Metallpreise an der Londoner Rohstoffbörse um mehrere Hundert Prozent in die Höhe. Tendenz steigend.

Nun sucht die BGR ein Unternehmen, das den Abbau angehen will. Und zugleich die ökologische Herausforderung anpackt. Denn beim Tiefsee-Bergbau wird Schlamm vom Meeresboden aufgewirbelt, der sich nur sehr langsam wieder absetzt. Und so dem Leben dort unten schadet. „Da ist es ein Vorteil, dass man die Knollen greifen kann“, sagt Wiedicke. „So kann man das Problem technisch minimieren.“

Theoretisch wäre der Tiefseeschlamm sogar noch attraktiver. Er enthält genauso hohe Konzentrationen von Seltenen Erden wie die Lagerstätten in China – das fanden jetzt Forscher an der Uni Tokio anhand von 80 Bohrproben heraus. Derzeit ist China quasi Allein-Exporteur dieser Stoffe, die etwa für Handys, Leuchtdioden und Windkraftanlagen wichtig sind.

Doch das Absaugen, Ausbeuten und Zurückpumpen des Schlamms würde, anders als der Abbau der Manganknollen, die Tiefsee schädigen. Harald Elsner von der Deutschen Rohstoffagentur in Hannover: „Es würde da nichts überleben.“

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