Interview mit dem „Textil & Mode“-Chef Uwe Mazura

Textilbranche: „Energiewende steht an erster Stelle“


Berlin. Seit Anfang Dezember führt Uwe Mazura die Geschäfte beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie in Berlin. AKTIV sprach mit dem ehemaligen Leiter des Hauptstadtbüros von Randstad, einem Personaldienstleister und Arbeitsvermittler, über seine zukünftige Arbeit für die Textilbranche.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Firmen der Branche in Zukunft?
Die Betriebe müssen weiterhin so konsequent ihre internationale Wettbewerbsposition ausbauen. Dazu hat in den vergangenen Jahren die anwendungsnahe Forschung an Instituten und Hochschulen hier in Deutschland und die Umsetzung in unseren Unternehmen wesentlich beigetragen.

Konkrete Beispiele?
Nehmen Sie die technischen Textilien. Sie sorgen etwa in Flugzeugtragflächen oder als Bestandteil von Autoreifen für mehr Flexibilität bei extremer Belastbarkeit. Sie garantieren Tragfähigkeit in den Rotoren von Windkraftanlagen. Auch in der Medizintechnik finden immer mehr intelligente technische Textilien Anwendung. Das alles ist Hightech aus Deutschland.

Welche Themen stehen für Sie ganz oben?
Politisch steht die Energiewende an erster Stelle. Sie muss gestaltet werden, ohne Unternehmen und Bürger finanziell zu überfordern. Hier werden wir uns intensiv in den Gesetzgebungsprozess einbringen.

Die EEG-Umlage für erneuerbare Energien belastet viele Betriebe.
Sie muss dringend sinken, um die Unternehmen zu entlasten. Die Finanzierung darf nicht mehr ausschließlich über den Strompreis erfolgen. Sie muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. So lassen sich die heute schon existierenden Wettbewerbsnachteile für die Betriebe verringern.

Sie sind seit gut einem Monat dabei. Welchen Eindruck haben Sie von der Branche?
Sie ist kreativ und hoch innovativ. Kurz gesagt: ein Vorbild für einen gelungenen Strukturwandel. Bei technischen Textilien sind deutsche Unternehmen weltweit Marktführer. Viele dieser mittelständischen Betriebe gehören zu den „Hidden Champions“. Aber auch Bekleidungs- und Heimtextilenunternehmen sind unverzichtbarer Teil des deutschen Mittelstands.

Das wissen viele nicht.
Deshalb sehe ich den Gesamtverband auch als Sprachrohr der Branche. Diese Funktion wollen wir im Interesse der Unternehmen nachdrücklich wahrnehmen. Wir müssen die politische Kommunikation und die Medienkommunikation verstärken. Für mich sind Verbände vor allem politische Ratgeber und Service­leister für die Mitglieder.

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