E-Shops der Mode-Hersteller

Textil-Einzelhandel: Trotz Online-Boom ist das Geschäft um die Ecke nicht wegzudenken

Köln/Herford. Es ist ja so bequem: Ein paar Klicks – und schon ist das neue Oberhemd gekauft oder der hippe Frühjahrsrock im Warenkorb geordert. Mode boomt im Internet: Ein Viertel aller Bekleidungsstücke haben die Deutschen im vergangenen Jahr online gekauft.

Damit liegen Modeartikel erstmals auf dem ersten Platz, vor Büchern und digitalen Medien. Keine andere Warengruppe ist im Internet stärker gefragt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des E-Commerce-Centers (ECC) am Institut für Handelsforschung in Köln. „Davon wollen auch Markenhersteller aus der Modebranche profitieren“, sagt Anke Tischler, Projektmanagerin des Instituts. „Sie werden den Modemarkt im Netz künftig verstärkt ins Visier nehmen.“ Das heißt: Die Hersteller verkaufen ihre Produkte selbst an Endkunden.

Markenbewusste Kunden suchen online

Vorteil der Produzenten: Kunden, die auf Markenware achten, kaufen besonders gern in den Online-Shops von Herstellern. Allerdings müssen die Anbieter einen heiklen Spagat schaffen. Einerseits verkaufen sie auf ihren Portalen ihre Kollektionen direkt. Andererseits aber soll ihr Internet-Auftritt die Kunden auch in die Läden führen. Schließlich ist der textile Einzelhandel ein wichtiger Partner der Branche.

Denn auch wenn der Online-Boom seit Jahren am Umsatz der Geschäfte nagt: Die 20.000 Läden des Modefachhandels bringen den Herstellern immer noch den größten Umsatz. 2013 waren das laut Branchenverband German Fashion über 7 Milliarden Euro. „Deshalb wollen wir dem Einzelhandel auch nicht Konkurrenz machen. Wir sehen unser Online-Angebot als Ergänzung“, sagt Stephan Horst, Marketing-Leiter beim Herforder Herrenausstatter Bugatti.

Seit über einem Jahr nutzt das Mode-Unternehmen seinen E-Shop, um die Bekanntheit der Marke zu stärken. Horst: „Unser Internet-Shop ist das Flaggschiff. Hier finden sie unsere komplette Kollektion, können stöbern, sich von Kopf bis Fuß einkleiden, online bestellen.“ Und wo bleibt der Einzelhandel? Mit dem Shop-Finder, der auf der Seite installiert ist, lässt sich schnell und bequem das nächstgelegene Geschäft finden. Damit schaffen die Hersteller die Brücke zum Händler.

Auf diese Strategie setzt auch Brax. Noch macht der Hosenspezialist, ebenfalls in Herford ansässig, weniger als 3 Prozent des Umsatzes online (Gesamtumsatz 2013: 307 Millionen Euro). Doch der Anteil wächst stetig.

Geschäft um die Ecke ist nicht wegzudenken

„Wir machen keinen Unterschied zwischen dem Sortiment im Geschäft und dem im Online-Shop“, so Rüdiger Traub, bei Brax zuständig für E-Commerce. Denn online erwarteten die Kunden das breiteste Sortiment. Auch um sich vorab informieren zu können. Generell gilt: Wer im Geschäft kauft, hat sich oft vorher online vorbereitet. Das Resultat: Ein Viertel ihres Umsatzes machen Modegeschäfte mit Kunden, die vorher in Online-Shops gestöbert haben, stellt das Kölner ECC fest.

„So profitiert auch der einzelne Modehändler vom Web-Aufritt des Herstellers“, erklärt Expertin Tischler. Für sie steht fest: Das Geschäft um die Ecke ist nicht wegzudenken. Selbst junge Verbraucher, die ihren Einkauf im Internet erledigten, glaubten zu über 70 Prozent, dass Läden nicht durch Online-Shops ersetzbar seien.

In Zukunft verlangt König Kunde aber mehr Service. Bald wird er keinen Unterschied mehr zwischen der Online-Welt und dem Geschäft machen wollen: Wenn dann ein online bestelltes Stück nicht passt, landet es als Retoure im Mode-Shop um die Ecke. Das nervige Zurücksenden ist dann Geschichte.


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