Innovationen

Technische Textilien: Sie denken, dämmen, heilen und sparen Platz


Frankfurt. Kein anderer Bereich der Textil-Industrie in Deutschland wächst so rasant wie die technischen Textilien. Weltweit bringen es deutsche Unternehmen auf einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Kurz vor der internationalen Branchenmesse Techtextil, die kommende Woche in Frankfurt ihre Pforten öffnet, hat AKTIV sich umgesehen – und interessante Beispiele für die Alleskönner „made in Germany“ gefunden:

Das Seil gibt Alarm, bevor es reißt. Der Bremer Seilhersteller Gleistein Ropes arbeitet zurzeit an einem Tau, das meldet, wann es aufgrund zu hoher Zuglasten ausgetauscht werden muss. „Ins Seil eingearbeitete Sensoren zeichnen die Beanspruchung während des Betriebs auf“, erklärt Anke Neuner, Leiterin der Produktentwicklung bei Gleistein. Ein Auslese-Programm setzt diese Ergebnisse in Ampelsignale um: Rot bedeutet Austausch, Grün, dass der weitere Einsatz möglich ist. Ab 2014 wollen die Bremer das intelligente Seil bei Hebeschlingen testen. Die Kraftprotze aus Chemiefasern stemmen die bis zu 400 Tonnen schweren Fundamente von Offhore-Windkraftanlagen.

Der Flachleiter spart Platz im Auto. Wenig Platz für viel Elek­tronik. Das Wuppertaler Unternehmen Amohr Technische Textilien löst das Platzproblem im Auto mit elastischen Bändern, in die etwa Kupferdraht eingearbeitet ist. „Sie sind flacher als herkömmliche Kabel und können platzsparend im Autohimmel oder Kofferraum verschwinden“, erklärt Geschäftsführer Christoph Mohr. Die Flachleiter transprortieren Strom oder funken technische Sensordaten an den Bordcomputer. Bis zu zehn Meter der Flachleiter aus Wuppertal stecken heute in vielen deutschen Automodellen.

Das Dach ahmt Eisbärfell nach. Sonnenwärme aufsaugen und speichern. Das schaffen die dunkle Eisbärenhaut und die eigentlich farblosen Fellhaare. So verliert der Eisbär bei arktischer Kälte kaum Körperwärme. Die poröse Dach-Membran des „Eisbärpavillons“ vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkedorf ahmt dieses Prinzip nach. Sie isoliert so gut, dass es im Pavillon ganzjährig angenehm warm ist.

Ein textiler Stent erleichtert Krebspatienten das Atmen. Das Röhrchen hilft beim Luftholen. Experten der Technischen Hochschule Aachen forschen an einem Bronchien-Stent. Die textile Gefäßstütze ist mit einer besonderen Schicht versehen. Sie verhindert, dass sich Atemwegsschleim in der Lunge absetzt. „In Zukunft könnten wir so das Wachstum von Krebs­tumoren hemmen“, hofft Projektleiter Professor Stefan Jockenhövel.

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Schlagwörter: Innovationen

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