Innovation

Technische Textilien entlocken Teppichen Töne, wärmen Wände und lassen Räume größer wirken


Zwei Schritte nach rechts, einer nach links. Eine Melodie ertönt. „Wenn ich weitermache, wird noch ein Lied draus“, scherzt Axel Steinhage. Der Forschungsleiter bei Future-Shape, einem Unternehmen im bayerischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn, schreitet weiter über den Teppich, der wie eine große Klaviertastatur aussieht.

Hinter dem Freizeitvergnügen steckt Hightech: ein leitfähiges Vlies. Ausgestattet mit sensiblen Sensoren und Elektronik – unter dem Teppich verborgen – reagiert es auf Annäherung oder Druck und entlockt dem flauschigen Textil Piano-Töne.

Fühlendes Vlies löst Alarm aus

Das Vlies zeigt, wie fit deutsche Textiler in Forschung und Entwicklung sind. „Besonders technische Textilien haben sich zur Querschnittstechnologie entwickelt“, sagt Klaus Jansen vom Forschungskuratorium Textil in Frankfurt. Oft würden sie sogar in anderen Branchen neue Produktideen anstoßen.

Wie das „fühlende“ Vlies. Nach sieben Jahren Entwicklung liegt es unter dem PVC- Boden in 70 Zimmern eines Altenheims im Elsass. Angeschlossen an ein Alarmsystem meldet es verdächtige Bewegungen im Raum. Steinhage: „So ist das Pflegepersonal schnell da, um bei Stürzen oder Ohnmachtsanfällen Heimbewohnern Erste Hilfe zu leisten.“

Bei der Entwicklung halfen Fachleute der Universitäten München und Passau. Und Aachener Textilforscher testeten, wie es sich unter verschiedenen Bodenbelägen verhält. In Zukunft könnte die Unterlage zum Beispiel als Notfall-Assistenzsystem auf Schiffen dienen. Bildet sich ein Stau vor einem Notausgang, meldet sie das an die angeschlossene Elektronik. Die weist dann mit aufleuchtenden Hinweisen den Weg zum nächsten rettenden Ausweg.

Textile Klima-Anlage spart Energie

Einen Stau ganz anderer Art möchte Oskar Jung vom Möbelstoff-Hersteller Zellner im oberfränkischen Michelau auflösen. Der Fachmann für dreidimensionale Abstandsgewirke hat mit Fachleuten der Westsächsischen Hochschule in Zwickau zwei Jahre an einem Abstandsgewirk getüftelt: „Wir mussten die richtige Kombination aus Steifigkeit und Durchlüftung finden.“

So können die in das Textil eingearbeiteten Gelkissen Räumen überschüssige Wärme entziehen und speichern. „Solche Wärmespeicher sind etwa für Niedrigenergiebauten geeignet“, sagt Jung. Bald testet er die textile Klimaanlage.

Den hat das lichttechnische Spezialgewebe der Ettlinger Spinnerei und Weberei Ettlin schon hinter sich. Die Oberfläche ist so beschaffen, das sie Licht auf spezielle Weise bricht. „Aus punktförmigen LED- Lichtquellen, die das Gewebe von hinten anleuchten, entstehen so Lichtbögen“, erklärt Ettlin-Vorstand Oliver Maetschke.

Schön, aber auch praktisch: In Glas eingebettet, entsteht der Eindruck räumlicher Tiefe. „Das lässt niedrige und enge Räume wie Aufzüge oder sogar Busse höher und geräumiger wirken.“

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