Die EU beglückt Autofahrer mit einem weiteren Zusatzstoff

Tanken: Was bringt die Sprit-Vielfalt an den Zapfsäulen?


Hamburg. Immer wieder Neues an der Tankstelle: Neben Super bieten die Zapfsäulen Super E10 und Premium-Super. Es gibt Diesel sowie „Ultimate Diesel“. Und demnächst kommt noch „AdBlue“ dazu. Was soll die Vielfalt bringen? Und wer steuert das? AKTIV erklärt die wichtigen Neuheiten an den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland.

• AdBlue. Das ist eine Spezial-Lösung, die einige Neuwagen mit Dieselmotor zusätzlich zum Sprit tanken müssen. Mit ihr zersetzt ein Katalysator Stickoxide im Abgas. So können die Modelle ab 2014 die scharfe EU-Abgasnorm einhalten.

Viele Lkws tanken den Stoff schon. „AdBlue hilft, den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide im Verkehr in den nächsten beiden Jahrzehnten um 70 Prozent zu senken“, sagt Abgasexperte Udo Lambrecht vom Umweltforschungs­institut Ifeu in Heidelberg.

• Super E10. Dieser Kraftstoff enthält 10 Prozent Bioethanol, doppelt so viel wie normales Super. Die EU will mit dem Mix das Klima schützen. Obwohl bis zu 4 Cent je Liter billiger als Super, floppte E10 beim Verbraucher. Es hat magere 14 Prozent Marktanteil; manche Tankstellen bieten es gar nicht mehr an. „Umrüstung und Rückbau kosteten die Mineralölfirmen 1 Milliarde Euro“, berichtet Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. Und die EU rudert zurück, aus Sorge, dass die Biosprit-Erzeugung den Anbau von Nahrung verdrängt. Sie will die Produktion auf heutigem Niveau einfrieren.

• Premium-Kraftstoff. Neben den genormten Qualitäten Super, E10 und Super plus bieten die Mineralölfirmen Premium-Sorten wie „Ultimate“ und „V Power“ an, die 6 bis 10 Cent mehr kosten. Sie schützen den Motor stärker gegen die unerwünschte Selbstentzündung des Sprits, sind also sehr klopffest. Und sie enthalten Spezial-Zusätze. Das soll unter anderem mehr Leistung bringen.

Die meisten Motoren könnten das aber gar nicht ausnutzen, so ADAC-Ingenieur Carsten Graf. „Bei Tests fanden wir keine eindeutige Bestätigung für die Versprechen.“ Für Premium-Diesel gilt das Gleiche.

Das sind übrigens nicht die einzigen Neuerungen beim Kraftstoff in den letzten Jahren. So ist Sprit heute fast schwefelfrei. Mehr als 1 Milliarde Euro steckten die Raffinerien dafür Ende der 90er-Jahre in zusätzliche Anlagen. Das sollte zum Beispiel neue Techniken beim Auto-Kat ermöglichen. Dessen Einführung zusammen mit bleifreiem Sprit hatte schon ab 1985 für sauberere Luft gesorgt.

Auch wenn die häufigen Neuerungen Autofahrer nerven, sie haben der Umwelt viel gebracht. Experte Lambrecht: „Trotz gestiegenen Verkehrsaufkommens ist der Ausstoß von krebserregendem Benzol und giftigem Kohlenmonoxid in den letzten drei Jahrzehnten um jeweils 80 bis 90 Prozent gesunken.“

Der Benzinpreis geht rauf und runter – an allen 14.700 Tankstellen in Deutschland. Doch ab 2013 soll die Preisentwicklung transparenter werden. Welche Vorteile Autofahrer dadurch haben, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

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