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Gutachten zu digitaler Schule

Tablet und PC im Klassenzimmer: Da gibt es in Deutschland erheblichen Nachholbedarf

Zwar nutzen fast alle Schüler ein Smartphone. Mit digitalen Medien sicher umgehen, können aber nur wenige, so ein Gutachten des Aktionsrats Bildung. Digitale Inhalte müssen daher fester Bestandteil aller Lehrpläne sein.

In der digitalen Schule lernen Kinder mithilfe von Computern, Tablets und Informationen aus dem Internet. Foto: Adobe Stock

In der digitalen Schule lernen Kinder mithilfe von Computern, Tablets und Informationen aus dem Internet. Foto: Adobe Stock

Digitale Medien im Unterricht bieten die Chance, den Schülern viel individuellere Aufgaben je nach Lerngeschwindigkeit zu stellen. Foto: Roth

Digitale Medien im Unterricht bieten die Chance, den Schülern viel individuellere Aufgaben je nach Lerngeschwindigkeit zu stellen. Foto: Roth

München. Informationen kritisch bewerten und einordnen im Zeitalter von Web und Social Media – das ist ein wichtiger Teil dessen, was Schule heute vermitteln muss. „Digitale Souveränität“, nennt das Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), und betont: „Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe sowie für unsere jetzige und künftige Wettbewerbsfähigkeit.“

Wie weit Deutschland und Bayern in diesem Punkt sind und wie Unterricht in allen Bildungseinrichtungen – von der frühen Bildung über Grundschulen und Sekundarstufen bis hin zu Universitäten und Aus- und Weiterbildungseinrichtungen – diese digitale Souveränität am besten fördert, hat der von der vbw initiierte Aktionsrat Bildung nun in einem Gutachten untersucht. Das Fazit lautet: Deutschland hat im Bildungssystem bei der Digitalisierung einen erheblichen Nachholbedarf.

Die Lehrer müssen selbst noch einiges dazulernen

Digitale Souveränität bedeutet, dass jeder Einzelne befähigt sein soll, digitale Medien selbstbestimmt und unter eigener Kontrolle zu nutzen und sich an die ständig wechselnden Anforderungen einer digitalisierten Welt anzupassen. Und genau diese Fähigkeit sei notwendig, um den technologischen Wandel in Zukunft zu meistern: „Gerade für unser rohstoffarmes Land ist der digitale Fortschritt ein entscheidender Wachstumstreiber“, unterstrich Gaffal die Notwendigkeit, den Umgang mit digitalen Techniken frühzeitig mit auf den Lehrplan zu nehmen.

Die Experten formulierten daher konkrete Handlungsempfehlungen für alle Bildungsstufen. Ganz wesentlich natürlich: die „grundlegende und altersgerechte technische Ausstattung“. Im Ergebnis also Unterricht im „digitalen Klassenzimmer“ – wo Lehrkräfte, Ausbilder und Dozenten moderne Technik mit Augenmaß einsetzen.

Das freilich kommt nicht von allein. Es reiche nicht aus, die Bildungspläne zu überarbeiten, betonte Gaffal bei der Vorstellung des Gutachtens in München. Man brauche auch eine „noch stärkere Professionalisierung des pädagogischen Personals“. Konkret: „Ein flächendeckendes Qualifizierungsprogramm für den Einsatz digitaler Medien über sämtliche Phasen der Lehrerbildung.“

Speziell für Bayern forderte Gaffal ein entsprechendes Personalentwicklungsprogramm. Außerdem sollte es an jeder Bildungseinrichtung einen Digitalisierungsbeauftragten geben. Und eine bayernweite „Serviceagentur für digitale Bildung“ sollte die Bildungseinrichtungen in diesem Prozess begleiten und unterstützen.

Nur 1,5 Prozent der Achtklässler können online recherchierte Informationen sicher bewerten und sinnvoll aufbereiten

Den Handlungsbedarf sieht der Aktionsrat Bildung als dringend an: Laut Untersuchungen nutze zwar so gut wie jeder Achtklässler in Deutschland regelmäßig ein Smartphone. Aber jeder Dritte habe nur dürftige Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien. Und nur 1,5 Prozent könnten Informationen selbstständig ermitteln, sicher bewerten und in anspruchsvoller Weise zusammenstellen – was aber eigentlich eine grundlegende Fähigkeit für Berufe in einer digitalisierten Welt sei.

Andere Länder sind da schon viel weiter, zeigt das Gutachten. Etwa Dänemark. Hier sind die Schulen zum einen besser mit Technik ausgestattet– im Schnitt ein PC für vier Schüler statt für elf wie in Deutschland. Zum anderen verfügen neun von zehn Schulen (Deutschland: eine von zehn) über Lernmanagement-Systeme. Diese helfen etwa dabei, jeden Schüler zu fördern, indem sie personalisierte Lernfortschritte aufzeigen und individuell Übungsaufgaben zuweisen.

Denn auch das ist ja ein Grund für digitale Bildung: „Sie bietet vielfältige Möglichkeiten“, unterstrich Gaffal, „um die Qualität des Lehrens und Lernens zu verbessern.“


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