Neues Futter für Popeye

Superfood: Warum so viele nach exotischen Lebensmitteln wie Noni-Saft, Goji-Beeren & Co. gieren


Köln. Täglich ein Löffel kleiner roter Beeren namens Goji im Müsli, etwas Spirulina-Pulver im Salat oder ein Gläschen Noni-Saft am Abend – und unser Immunsystem ist wieder fit und der Cholesterinspiegel sinkt. Wie bitte?
Goji, Noni, Spirulina – was wie exotische Vornamen klingt, sind sogenannte Superfoods: Während der Seemann Popeye die Kraft für seine Comic-Abenteuer noch aus einer Spinatdose tankte, stärken sich heute immer mehr Menschen mit getrockneten Beeren, Säften, Kapseln und Pülverchen.

Gewonnen werden sie aus Früchten und Pflanzen aus fernen Ländern. Goji-Beeren etwa wachsen überwiegend in China, die Noni-Frucht hängt in Indien am Baum und Spirulina-Algen kommen in tropischen Gewässern vor.

Sie sollen besonders viele Nährstoffe, Mineralien und Vitamine enthalten.
„Diese Nahrungsergänzungsmittel sind stark gefragt“, sagt Ute Thote von Reformkontor, einem Unternehmen, das bundesweit Reformhäuser beliefert. Auch Bioläden, Apotheken und Online-Händler bieten eine immer größere Auswahl an.

Und mit dem Trend verdienen auch andere Geld: Im Buchhandel erobern immer neue Ratgeber mit Superfood-Rezepten die Regale, Ernährungscoaches geben Seminare, wie man diese Lebensmittel am besten zu sich nimmt. Billig sind weder die Seminare noch die Nahrungsmittel selbst: 100 Gramm Goji-Beeren kosten 6 Euro, ein Liter Noni-Saft um die 20 und eine 200-Gramm-Tüte Algenpulver 22 Euro.

Wenn etwas neu und exotisch ist, probieren wir es aus

Warum greifen viele Menschen so tief in die Tasche? Trendforscherin Hanni Rützler vom Zukunftsinstitut in Frankfurt: „Ein Supernahrungsmittel, das uns sofort gesund macht, ist eine alte Menschheitssehnsucht“, so die Expertin. „Und wenn es exotisch ist, probieren wir es aus.“

Aber sind Noni, Goji und Co. wirklich Heil bringend? Professor Bernhard Watzl vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe, bremst allzu hohe Erwartungen: „Es gibt keine kontrollierten Studien.“

Zudem habe die Verarbeitung der Früchte Nachteile. Die Beeren werden getrocknet, zu Saft verarbeitet oder pulverisiert, weil sie weit transportiert werden. Watzl: „Viele Stoffe stecken aber in der Schale. Die können so verloren gehen.“

Ob die Beeren gesünder sind als anderes Obst, bezweifelt der Experte zwar: „Die helfen so wie Apfel oder Orange.“ Spaß an gesunder Ernährung aber können sie wecken ...

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aktualisiert am 30.08.2016

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