Urteil

Studium: Kosten der Unterkunft können Steuern senken

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Wo hat eigentlich ein Student seinen Lebensmittelpunkt? Noch in der alten Heimat, wo er regelmäßig alte Freunde trifft? Oder doch schon am Studienort, wo er zarte Bande zu einer Kommilitonin geknüpft hat?

Diese Frage muss künftig womöglich in jedem Einzelfall von Behörden und Gerichten entschieden werden – denn viele Studierende können Steuern sparen, wenn ihr Studienort nicht der Lebensmittelpunkt ist. Dann dürfen Sie nämlich die Kosten einer auswärtigen Unterkunft steuerlich geltend machen, also etwa die Miete für ein WG-Zimmer am Studienort. Das hat der Bundesfinanzhof kürzlich entschieden.

Wer nun meint, dass Studenten sowieso keine Steuern zahlen und daher nichts von diesem Urteil haben, liegt daneben: Solche Ausgaben für die Unterkunft sind in vielen Fällen nach Ende des Studiums als "vorab entstandene Werbungskosten abziehbar". Dafür müssen sie in klarem Zusammenhang zur später aufgenommenen Berufstätigkeit stehen, und dafür muss zuvor jedes Jahr ein "Antrag auf Verlustfeststellung" eingereicht werden.

"Studenten sollten nachweisen können, dass der Lebensmittelpunkt am bisherigen Wohnort verbleibt", rät der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). "Mindestens zwei Mal im Monat" sollte man daher nach Hause fahren.

Und der NVL erklärt auch gleich den Haken an der Sache: Profitieren können nur Studenten im Zweitstudium (die also etwa nach dem Bachelor ihren Master machen), und die, die vor dem Studium eine Ausbildung abgeschlossen haben. "Das kann beispielsweise auch ein Rettungssanitäterabschluss während des Zivildienstes sein."

Ob auch die Kosten eines Studiums ohne vorherigen Abschluss steuerlich relevant sind, das ist nach wie vor umstritten. Mehr dazu lesen Sie hier auf AKTIVonline

Übrigens kann es durchaus sein, dass das neue Urteil sich nicht lange auswirkt: Laut Bundesfinanzministerium wird bereits an einer "klarstellenden" gesetzlichen Änderung getüftelt. "Bei Inkrafttreten würden zukünftig Unterkunftskosten nur bei Vorliegen einer anerkannten doppelten Haushaltsführung während des Studiums Berücksichtigung finden können", so das Ministerium zu AKTIV.

(Bundesfinanzhof, 19.9.2012, VI R 78/10)


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