Arbeit als Glücksfaktor

Studien zum Wert der Berufstätigkeit bringen überraschende Ergebnisse

Seines Glückes Schmied: Berufstätigen macht das Leben deutlich mehr Spaß als Arbeitslosen. Foto: dpa

Köln. Mach mal Pause! Schalt einen Gang runter! Steig aus der Tretmühle aus! Mit Aufforderungen dieser Art empfehlen sich Ratgeberbücher und Zeitschriften. Es hat den Anschein, dass den Deutschen die Arbeit zunehmend zur Last wird. Schon fordern Politiker eine Anti-Stress-Verordnung.

Doch damit sind sie auf dem Holzweg, stellt Professor Bruno Frey fest. „Nicht Freizeit allein, sondern Arbeit macht glücklich, egal, wie viel man verdient. Das belegen Studien reihenweise“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler von der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, der sich seit Jahren der Glücksforschung widmet.

Mit einer ganz aktuellen Untersuchung schaltete sich gerade das Roman-Herzog-Institut in die Debatte ein: „Erwerbstätige sind zweieinhalbmal so häufig mit ihrem Leben sehr zufrieden wie Arbeitslose“, sagt Professor Michael Neumann von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, der die Studie mit verfasst hat. „Das zeigt: Arbeit ist ein wichtiger Glücksfaktor.“

Neun von zehn Mitarbeitern der Metallund Elektro-Industrie sind stolz auf ihren Job

Die Untersuchung basiert auf den Daten des „Sozio-oekonomischen Panels“, einer Dauerbefragung unter 20.000 Personen in rund 12.000 Haushalten, bei der es unter anderem um die Lebenszufriedenheit geht. Demnach gehört die Hälfte der arbeitenden Menschen zur „Glückselite“ der Hochzufriedenen, so Neumann. „Dabei ist es vergleichsweise egal, ob jemand in Vollzeit oder Teilzeit arbeitet.“ Von den Arbeitslosen dagegen fühlt sich nur ein Fünftel wohl.

Bei ihnen wiegt der Verlust an Ansehen, Kontakten, strukturiertem Tagesablauf und Lebenssinn schwer. „Den Job zu verlieren, wirkt sich extrem glücksmindernd aus“, berichtet Forscher Frey aus Friedrichshafen: „Das ist vergleichbar mit einer Scheidung.“

So sind Arbeitslose laut dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen in Berlin im Durchschnitt dreimal so lang krankgeschrieben wie Menschen mit Arbeit. Und sie nehmen etwa dreimal so viele Psychopharmaka ein.

„Arbeit ist eben ein zentraler Bestandteil des Lebens“, erklärt Frey. Das zeigt auch die Glücksstudie der Post von 2011. Danach ist etwa 90 Prozent der Erwerbstätigen der Beruf sehr oder ziemlich wichtig. Und 57 Prozent der berufstätigen Männer und Frauen bemühen sich, bei ihrer Arbeit immer ihr Bestes zu geben.

Ganz wichtig ist nach wie vor der Stolz auf die eigene Arbeit. Neun von zehn Mitarbeitern der Metallund Elektro-Industrie holen sich im Job Bestätigung, so das Institut für Demoskopie Allensbach.

Selbstverständlich will jeder gut verdienen. Doch mehr Wohlstand macht die Menschen in den Industrieländern kaum noch zufriedener. Das fand schon in den 1970er-Jahren der Vater der Glücksforschung heraus, der US-Ökonom Richard Easterlin.

Er rät, „mehr Zeit in das Familienleben und die Gesundheit zu investieren“. Nur die, heißt es auch in der Studie des Roman-Herzog-Instituts, bestimmen unser Glück noch stärker als die Arbeit.


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